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Autor: Elraanis
erschienen: 01.11.1999
Herausgeber: Elraanis
 

Gita Essenz

Bildwie sie von Shibendu Lahiri in einem tiefen Meditationsprozeß wahrgenommen wurde, während des langsamen Dahinscheidens seiner Frau Bithika, die sich im letzten Krebsstadium befand.
Der wichtigste Vers von diesen 18 Versen ist „Indriyani-indriyarthebhas tasya prajna pratisthita”. Gerade weil er so wichtig ist, erscheint dieser Satz zweimal in diesen 18 Versen: Als zweite Zeile in Vers Nr. 58 und als zweite Zeile in Vers Nr. 68.
Dies ist eine zerstörende Botschaft, denn wenn sie deine „Ich-heit” berührt, wird das getrennte Bewußtsein explodieren.
Der Gedanke wird dann in seinem natürlichen Zustand sein, d.h. in unterbrochener Weise funktionieren, und es wird eine Neuorientierung, eine Mutation, eine Einsicht stattfinden und dein Leben wird frei von Schmerz, Verzweiflung, Aufregung, Spannung und Unruhe, Mutmaßungen und Vermutungen, Hemmungen, Idiosynkrasien, Paradoxen und Unschlüssigkeiten, Perversionen und Paranoia sein. Dann wird der Gedanke seinen Würgegriff auf deine Existenz loslassen. Das ist der Ursprung eines aktiven Bewußtseinszustandes, dessen Eigenschaft nicht die Trennung, sondern die Vereinigung ist; in der der Reiz und die Antwort eine einzige Bewegung wird.
Eine in den Kriya eingeweihte Person wird „Kriyanwita“ oder “Kriyaban“ genannt, das bedeutet: aktiviert. Diese ist in ihrem Bewußtein aktiviert, so daß sie sich selbst nichts vortäuscht und auch andere nicht betrügt. Diese Person ist sich des Tricks des Ichs, des Egos, der Egoismen und der selbstschützenden Mechanismen des Verstandes bewußt.
Diese sehr wichtige Aussage, die zweimal in der Gita-Essenz erscheint besagt, daß die Sinneswahrnehmungen in natürlicher Weise funktionieren sollten für den Zweck, für den sie bestimmt sind. Der Gedanke (die Konditionierung und die Kultur) legen etwas Fremdes über die Sinne, welches die Sinneswahrnehmung in Sinnlichkeit verwandelt. Der Gedanke trennt die Gefühle in gefällige und nicht-gefällige: Dies ist der Ursprung der Sinnlichkeit. Der Gedanke erzeugt deshalb den Wunsch, daß das, was gefällt wiederholt wird und das, was nicht gefällt, vermieden wird. Dies ist in Wahrheit die Sinnlichkeit und der Anfang von etwas Schrecklichem in der reinen Qualität des Lebens.
Diese bedeutungsvolle Aussage bezeugt, daß es keine Probleme in den Sinneswahrnehmungen gibt, sondern daß der Grund unserer Schmerzen und Leiden die Sinnlichkeit ist. Wenn also die Wahrnehmungen nicht durch die Sinnlichkeit verunreinigt werden, ist man fest im Zustand der Weisheit. Wenn die fünf Sinne auf natürliche Weise funktionieren, ohne die Interferenz der Gedanken, dann gibt es keine Probleme jeglicher Art.


55 - Wenn die Sinnlichkeit komplett weggewischt wird, wenn der Gedanke endgültig aufgehört hat, sich in die Sinnesfunktionen einzumischen, dann gibt es im Bewußtsein nicht mehr den Unterschied „Subjekt-Objekt”, das bedeutet, das zwischen dem „Ich“ und der Sache, die auf das „Ich“ wirkt, eine Funktion entsteht, damit ein Aufkommen des „Nicht-Ichs“, „Nicht-Selbst“ oder des „Nicht-Verstandes“ stattfinden kann. Dies ist absoluter Gleichmut und Unparteilichkeit.
56 - In diesem Gleichmuts-Zustand kommst du aus dem Korridor der Gegensätze heraus. Dann ist das Vergnügen nicht dein, der Schmerz nicht dein, Verbundenheit nicht dein, Angstlosigkeit nicht dein, Feigheit nicht dein, Mut ist nicht dein, Zorn ist nicht dein, Freundlichkeit ist nicht dein, der Sieg ist nicht dein, der Mißerfolg ist nicht dein.

57 - In diesem unparteiischen Zustand ist das Gute nicht dein, das Böse nicht dein, das Lob nicht dein, die Verletzung nicht dein, die Ehre nicht dein und die Beleidigung nicht dein.

58 - Im wahllosen Bewußtseinszustand funktionieren die Sinne genau in der Weise, wofür sie ursprünglich da sind. Im übrigen bleiben die fünf Sinne zurückgezogen (aber trotzdem wachsam), wie die Glieder einer Schildkröte. Somit wird die Sinnlichkeit vermieden.

59 - Wenn die Sinnlichkeit verblaßt ist, offenbart sich der Param (das Andere) durch die tiefsten Wahrnehmungen der Sinne, durch die Neutralisation des Beobachters, des „lchs“.



60 - Auch eine Person mit standfester Unterscheidungsgabe kann durch die Sinnlichkeit des Verstandes (die „Verrücktheit“ der Sinne) überrumpelt werden, trotz fester Vorsätze, immer den Gleichmuts-Zustand beizubehalten.

61 - Wenn alle Konditionierungen eingestellt sind, und alle Unordnungen völlig aufhören, dann wird einer integriert und festgesetzt im „Nicht-Verstand“ (Krishna). Wenn die Sinne in Ordnung sind und somit ganzheitlich funktionieren, ohne sinnliche Verunreinigungen, dann ist das Weisheits-Bewußtsein standfest.

62 - Von Kontakt entsteht Faszination/Vorstellung/Wunsch für ein Objekt und somit ist auch das Verlangen danach erzeugt. So entstehen unweigerlich Frustrationen und Groll.

63 - Von Groll kommt die Überdeckung der Illusion und davon entstehen Störungen in der Wahrnehmung. Dadurch verliert einer die Verbundenheit zur Intelligenz und deshalb erfolgt der Sturz aus der Gnade.

64 - Das Selbst als Energie bedeutet: Die feine individuelle Einzigartigkeit in kompletter Ordnung ist das Selbst im natürlichen Zustand (statt das getrennten groben Ego-Zentrums, welches Unordnung ist). Dies ist der Zustand der Freiheit und nicht der der Konditionierung. In einer solchen Situation befindet sich einer in einem Segenszustand. Dies ist nur dann möglich, wenn die Sinne mit absolutem Gleichmut im Kontakt mit den Objekten funktionieren. Nur im Gleichmut funktionieren die Sinne im natürlichen Zustand und die Umwandlung in Sinnlichkeit kann so vermieden werden (mit dem damit verbundenen Verlangen, welches die Wurzel des Leides ist).

65 - Im gesegneten Zustand der reinen Sinneswahrnehmungen wird das ganze Leid (Dukkha) weggewischt. So wird einer in Ganzheit festgelegt: In Harmonie mit dem glücklichen und fröhlichen Status der Intelligenz.

66 - Der Friede kann nicht mit jemandem sein, der nicht mit der Intelligenz und der Wahrnehmung verbunden ist. Abwesenheit von Frieden bedeutet Abwesenheit von Glücklich-Sein, Nicht-In-Harmonie-Sein mit der Gesamtheit des Lebens.

67 - Der Verstand, der im Griff der Sinnlichkeit ist, verliert die Intelligenz („Nicht-Verstand“/Weisheit) und kommt völlig durcheinander, wie ein Schiff im Windsturm.

68 - Eine Person, dessen Sinne auf natürliche Weise funktionieren, für den Zweck, für den sie gedacht sind, der findet sich in einer ringsum „Nicht-Anhaftung“ (Freiheit) wieder - und so wird seine Weisheit gefestigt.

69 - Einer der alle Konditionierungen in einem geregelten Zustand hat, der bleibt wachsam im aktiven Bewußtsein, während andere sich in der Dunkelheit der konditionierten Reflexe befinden. Wenn sich andere an den sinnlichen Verfolgungen scheinbar erfreuen, nimmt der Weise diesen Zustand als Dunkelheit wahr.

70 - Einer der sich sinnliche Freuden wünscht, kann nicht den Frieden kennen. Aber einer, in dem Wunsch und Begehren natürlich aufkommen und verschwinden (in einem Zustand des Nicht-Verhaftet-Seins), kennt den Frieden und bleibt ungestört, so wie der Ozean nicht beeinflußt wird durch die Flüsse, die in ihn einströmen und verschwinden.

71 - Einer im Zustand der Nicht-Anhaftung und des „Nicht-Ich-Seins“ wird unweigerlich in das Königreich des Friedens und der Ruhe eingehen.

72 - Die Menschen wundert sich, weil dieses Brahmi-Sthiti (Zustand des Einheitlichen Erwachtseins) unerreichbar bleibt. Aber wenn auch erst am Lebensende einer in diesen Zustand gelangt, kommt er zur höchsten und nicht mehr rückgängigen Befreiung.

HARI AUM TAT SAT - HARA HARA SHAMBHO


 
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