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Autor: Reindjen Anselmi und Beat
erschienen: 27.03.2003
Herausgeber: Elraanis Verlag
 

Spirituelle Politik hat Bewusstseinserweiterung zum Ziel

Spirituelles Verhalten ist nicht unbedingt «ethisch-moralisches» Verhalten

Spirituelles Verhalten ist nicht mit ethischem Verhalten zu verwechseln, denn eine ethische Haltung ist nicht zwingend spirituell. Ein spirituell orientierter Politiker muss, wenn nötig, auch mithelfen, ein System zu destabilisieren, um Veränderung zu ermöglichen. Und es gilt zu begreifen, dass hierfür unter Umständen gewisse alte Grundsätze verletzt werden müssen. Im folgenden Gespräch legt Beat seine aus seinem Inneren gechannelten Ansichten zu einer zeitgemäßen spirituellen Politik dar.


Mit Beat sprach Reindjen Anselmi

Wer politisch arbeitet, orientiert sich an einem Weltbild und argumentiert auf dieser Grundlage. Der eine will eine soziale, der andere eine liberale Marktwirtschaft, der dritte verfolgt eine nachhaltige Umweltpolitik, und so weiter. Was liegt eurer Auffassung nach einer spirituellen Politik zugrunde? Grundlage und Ziel jeder spirituellen Politik ist der Paradigmenwechsel. In diesem neuen Weltbild weiss ein jeder, dass es das Bewusstsein ist, das die Wirklichkeit erschafft. Spirituelle Politiker müssen diesen Paradigmenwechsel bereits vollzogen haben, sonst könnten sie keine solche Politik betreiben. Die Erkenntnis, dass der Gedanke die Ursache ist und man dessen Wirkung in der Wirklichkeit sieht und nicht umgekehrt, ist sozusagen der Grundstein des Fundaments einer spirituellen Politik.


Im bestehenden Rahmen

Ist spirituelle Politik im Rahmen einer Partei mit einem Parteiprogramm und entsprechenden Aktivitäten machbar, die auch parlamentarische Mitarbeit und Regierungsverantwortung einschliesst? Oder ist spirituelle Politik eurer Auffassung nach etwas Außerparlamentarisches? Wir meinen, dass spirituelle Politik während einer Übergangsphase auch im heute bestehenden Rahmen stattfinden kann. Dabei muss man sich aber bewusst sein, dass dieser Weg – wenn man ihn konsequent geht – zur Selbständigkeit und in letzter Konsequenz weg von den heute bestehenden politischen Strukturen führt. Der spirituelle Weg führt hin zur völligen Eigenverantwortung jeden Individuums innerhalb eines Kollektivs, wo jeder Einzelne weiss, was ihn selbst und was das Kollektiv weiterbringt. Dieses Denken soll der Erkenntnis entstammen und nicht einer moralisch-ethischen Überzeugung. Moralisches Verhalten lässt sich nämlich durch Konditionierungen – durch gesellschaftliche Doktrinen – erzeugen. Die Haltung eines spirituellen Menschen ist hingegen, dass er nur das tun will, was der Gesamtheit, dem Kollektiv auch wirklich nützt, ohne dabei irgend jemandem zu schaden. Dieser Mensch ist sich bewusst, dass jede Handlung und jeder Gedanke, die der Einzelne beiträgt, sowie seine eigene Entwicklung unbedingt einen Einfluss auf das Kollektiv haben. Das ist eine sehr spirituelle Erkenntnis, weil sie zeigt, dass alles eins ist, dass die Menschheit im Grunde ein großer Organismus ist.


Gleichgesinnte ziehen sich an

Soll man sich in dieser ersten Phase, in der man Spiritualität erst einmal auf einen politischen Begriff bringt, überhaupt in politischen Parteien zusammentun oder nur in loseren Gruppen? Eine politische Partei im traditionellen Sinn zu gründen, wäre nicht zeitgemäß, weil der Einzelne als Mitglied einer Partei oder einer Institution Gefahr läuft, nicht mehr selbständig zu denken, weshalb die Partei dann, wie oft geschehen, von einzelnen als Machtinstrument missbraucht werden kann.
Gruppenbildung hingegen gehört einfach zum Leben. Auch spirituelle Menschen, die politisch nicht aktiv sind, bilden automatisch Gruppen. Gleichgesinnte ziehen sich an. Sie kommen aufgrund ihrer gemeinsamen Interessen zusammen, weil sie dieselben Kurse besuchen, dieselben Bücher lesen und über dieselben Themen reden oder in irgend einer Form zusammen leben. Damit ist im Prinzip bereits ein Pol gebildet. Die Frage ist, wie sich diese Gruppe in einer Gemeinschaft einbringt.
Eine Subkultur kann nicht auf Dauer ohne Einfluss auf das Ganze sein, denn sie nimmt auf die Zivilisation, auf diese größere Gruppe, in der sie funktioniert, automatisch Einfluss, weil ihr Gedankengut auch ohne äußere politische Aktivität auf energetischem Weg ins Massenbewusstsein einfließt. Somit steht das Gedankengut jedem zur Verfügung, der es freiwillig aus dem Massenbewusstsein als neues Credo aufnehmen will. Diese indirekte Form der Einflussnahme verstehen wir als spirituelle Politik, weil sie den freien Willen des Einzelnen unter allen Umständen respektiert.



Einfluss nimmt man immer

Ist es einem erwachenden Menschen überhaupt möglich, politisch zu sein? Wir meinen, dass der spirituell erwachende Mensch Phasen hat, wo er sich im traditionellen Sinn als sehr apolitisch empfindet und sich zurückzieht. Diese Phasen sind dennoch politisch sehr wirksam, weil auch eine apolitische Haltung eine Form von politisch ist. Man kann sich gar nicht völlig herausnehmen aus dem Kollektiv, ob man nun für das eine oder das andere oder gar nicht stimmt. Jedes Verhalten hat einen Einfluss auf das Gesamte, somit auch in einem politischen Feld oder in einer politischen Struktur. Vor allem wird der spirituell erwachende Mensch deutlich erkennen, dass jeder Gedanke unbedingten Einfluss auf die Gestaltung der Realität hat. Er wird sich auch deshalb immer mehr der Aufklärung über diese Zusammenhänge widmen statt dem traditionellen Politisieren.
Je mehr der spirituell erwachende Mensch selbst um die energetischen Gesetze der Manifestation weiss, desto mehr wird er seine Aktivitäten im Äußeren auf das Arbeiten mit subtileren energetischen Mitteln verlagern. Das heisst, dass sich der spirituelle Politiker beispielsweise statt mit rhetorischen Mitteln auf die Meinungsmache an Parteiveranstaltungen und Kundgebungen auf energetische Arbeit konzentriert. Diese hat sowohl einen direkten Einfluss auf die Gestaltung seiner individuellen Realität als auch einen indirekten Einfluss auf die kollektive Realität, weil der konzentrierte Fokus des spirituellen Politikers und seiner Gruppe die Realität über das Massenbewusstsein umgestaltet. Das hat zur Folge, dass andere immer leichter auf gleiche Ideen kommen können, weil das Gedankengut jener Gruppe durch jeden einzelnen, der es übernimmt und ihm zustimmt, energetisiert wird. Dieses Gedankengut gewinnt dadurch an Schwingungsintensität innerhalb des Massenbewusstseins und nimmt allmählich eine vorherrschende Stellung ein. Der spirituelle Politiker stellt auf diese Weise sicher, dass er sein Weltbild niemandem aufoktroyiert. Ein aufgezwungenes Weltbild bewirkt kein spirituelles Wachstum.
Stimmte man einem spirituellen Politiker zu, ohne das zugrunde liegende Paradigma zu verstehen, würde man einfach eine neue Religion oder Kirche gründen, worin eine Elite oder ein Führungsgremium bestimmt, was spirituell ist, und die anderen folgen im blinden Glauben und Vertrauen nach. Das wäre die Grundlage für eine Schafherde, für eine Religion, wie wir sie bisher haben. Darum muss der Wissensstand, das Verständnis um das Erschaffen von Materie in jedem einzelnen Mitglied der Kultur verankert sein. Es soll in Zukunft nicht mehr sein, dass nur eine Elite über spirituelle Gesetze Bescheid weiss und die anderen nicht.




Die Gesellschaft als Ganzes muß spiriteller werden

Bedeutet das ein generelles Weggehen von Religionen, wie wir sie heute kennen? Ja. Das ist auch die Grundlage dafür, dass jeder Einzelne aus der Situation des Opfers, der Machtlosigkeit, des manipulierten Menschen herauskommt. Das kann man nur mit dem eigenen inneren Wissen um die spirituellen Gesetze bewerkstelligen, die der gesamten Manifestation zugrunde liegen.
Das klare Ziel der spirituellen Politik ist der Paradigmenwechsel in jedem Menschen und im Kollektiv und auf dem ganzen Planeten. Erreichen die spirituell Erwachten dies nicht, bilden sie eine Elite oder ein Getto, wo andere die Meinung dieser Elite blind übernehmen. Sie würden diese Ideen aber lediglich als Doktrin pflegen. Dieses Wissen bildete dann allenfalls eine neue Religion. Die Gesellschaft als Ganzes würde damit letztlich nicht spiritueller.



Zurück zur Eigenverantwortung

Spirituelle Politiker werden vor dem Hintergrund des neuen Paradigmas logischerweise ziemlich unpopuläre Thesen vertreten müssen. Was wäre ihr erster Schritt?
Sie müssten den Grundsatz darlegen, wonach die Menschen zur Eigenverantwortung zurückkehren müssen. Zwangsläufig wird es anfänglich unpopulär sein, wenn einer hingehen und den Sozialstaat, die sozialen Errungenschaften abbauen will. Das kann im Bereich der Sozialversicherungen sein aber auch im Bereich des Gesundheitswesens, bei den Krankenversicherungen. Das kann natürlich das Empfinden von Individuen, aber auch einer ganzen Kultur brüskieren.
Ohne Paradigmenwechsel, ohne spirituelle Entwicklung – die eben nicht ethisch-moralisch, sondern spirituell ist –ist der Schritt zurück zur Eigenverantwortung möglicherweise nicht zu verstehen, weil man davon ausgeht, dass Realität etwas Objektives ist und es deshalb reale Gefahren oder Bedrohungen gebe, die durch das eigene Denken nicht beeinflusst werden könnten. Solange man an Mächte und Ereignisse glaubt, die man weder als Einzelner noch als Kollektiv beeinflussen kann, macht das neue Weltbild von der Eigenverantwortung natürlich nur bedingt oder unter Umständen gar keinen Sinn. Es gilt darum zu erkennen, dass sich die Realität, die Materie immer entsprechend der Gedanken des Individuums und des Kollektivs entwickelt.


Angst energetisiert Ereignisse

Hier wird man aber gut unterscheiden müssen: Es gibt welche, die einen Sozialstaat abbauen wollen, weil sie für Gesundheit, Erziehung und Entwicklungshilfe etwa weniger, dafür für Sicherheit und Wirtschaftswachstum mehr Geld ausgeben wollen.
Ja. Wer, wie die spirituelle Politik, den Sozialstaat abbauen will, muss das aus der Erkenntnis tun, dass der Einzelne durchaus fähig ist, mehr Eigenverantwortung zu tragen und nicht, weil einfach Geld umverteilt werden soll. Jedes Umverteilen ohne spirituelle Erkenntnis wäre wiederum Symptombekämpfung und hätte keine bleibende Wirkung. Man müsste der Öffentlichkeit entsprechend erklären, dass es keine spirituelle Haltung ist, sich auf andere zu verlassen statt auf sich selbst, also auf die Kenntnisse der kosmischen Gesetze der Manifestation. Auch bei der Verteidigung, beim Militär, muss man, wenn man die spirituellen Gesetze versteht, früher oder später zum Schluss kommen, dass die Prävention keine Garantie für Sicherheit ist, sondern dass man immer mehr kriegerische Auseinandersetzungen anzieht, je mehr man sich bewaffnet und aufrüstet. Ein Verteidigungssystem wirkt wie jede andere Versicherung: Man geht damit davon aus, dass ein Angriff – oder eine Krankheit oder eine finanzielle Notsituation – eintreffen kann oder gar sehr wahrscheinlich ist. Damit energetisiert man das unerwünschte Ereignis natürlich, lädt es sozusagen ein, man bereitet es gleichsam vor.


Ins Vertauen gehen

Für eine spirituelle Politik braucht es somit auch Mut und Vertrauen.
Ja. Man muss in einem gewissen Sinn – und das ist die Herausforderung bei der spirituellen Entwicklung – über den eigenen Schatten springen können und sich vom Sicherheitsgedanken, von der Idee der Vorsorge und Absicherung lösen. Man muss ins Vertrauen gehen und sicher sein, dass gewaltvolle Ereignisse nicht stattfinden und nicht zwingend nötig sind. Auch vom Grundsatz, wonach sich die Geschichte ständig wiederholt, muss man sich lösen, indem man erkennt, dass sie sich nur wiederholt, wenn die Menschheit in den alten Denkschemen oder Glaubensmustern verharrt.
Man muss die eigenen Ängste überwinden können und sich von Gedanken an Katastrophen, Übel, finanzieller Misere, Überfall oder Angriff trennen sowie vom Wunsch nach Vorsorge, Absicherung, Prävention und Verteidigung lösen. Man muss in Richtung Vertrauen gehen. Denn der Mensch kann nicht behaupten, er habe keine Angst und sich gleichzeitig absichern. Hier sieht man auch die Bedeutung der Angst, die Ereignisse energetisiert.


Kein Richtig und kein Falsch

Spirituelle Politik wird wohl auch einen neuen Diskussionsstil in die politische Auseinandersetzung bringen. Alte Muster dürften hier nicht weit führen. Ich habe zum Beispiel mitbekommen, dass sich die erste spirituelle Partei Deutschlands nicht zuletzt daran aufgerieben hat, dass sich Mitglieder öffentlich abwertend und verurteilend gegen andere Parteien abgrenzten, wie das heute zum politischen Ton gehört.
Im Fall dieser Parteimitglieder ist man möglicherweise erst spirituell am Erwachen und noch nicht erwacht. Der erwachte Mensch weiss, dass es kein Richtig und kein Falsch gibt. Sobald man das annehmen kann, sieht man, dass die Bildung einer Partei an und für sich schon fraglich ist, weil die Parteidoktrin das Wachstumspotenzial des einzelnen Mitgliedes tendenziell einschränkt. Überdies laufen die Mitglieder Gefahr, ihre Doktrin im guten Glauben mit kämpferischer Haltung zu verteidigen. Durch ihre Angriffs- oder Verteidigungshaltung richten sie ihren Fokus darauf, was ihrer Meinung nach falsch ist, statt auf das, was ihrer Meinung nach richtig wäre. So energetisieren sie genau das Gegenteil von dem, was sie ursprünglich beabsichtigt hatten.
Es gibt kein Richtig und kein Falsch, sondern einen Evolutionsprozess, eine Entwicklung, die eine Gruppe oder ein Individuum durchläuft. Alle Entscheide, die während dieses Entwicklungsprozesses gefällt werden, seien es Entscheide eines Einzelnen in bezug auf sein persönliches Leben oder Entscheide einer Regierung, die das ganze Kollektiv betreffen, sind immer Entscheide, die dem momentanen Entwicklungsstand entsprechen und aus dieser subjektiven Perspektive richtig sind.
Es kann einer spirituellen Partei eigentlich weniger darum gehen, richtigere Entscheide als andere Parteien zu fällen, sondern darum, das Wissen um spirituelle Gesetzmäßigkeiten zu verbreiten, damit künftige Entscheide nur noch aus diesem Wissen heraus gefällt werden und der Entwicklung des Ganzen dienen.


Es geht um Erfahrung und Entwicklung

Inwiefern ist vor diesem Hintergrund das Wohlergehen des Einzelnen ein Thema?
Im allgemeinen geht der Mensch – oder der Politiker – davon aus, seine Aufgabe sei es, sich und seiner unmittelbaren Umgebung ein möglichst angenehmes Leben zu verschaffen und dieses wenn nötig auch auf Kosten anderer zu verteidigen. Bei spiritueller Politik geht es hingegen nicht darum, sich vorteilhafte Lebenssituationen zu ermöglichen oder zu erhalten. Das diente nicht dem konsequenten spirituellen Wachstum, nicht der schnellstmöglichen spirituellen Entwicklung. Das ist der Unterschied zur herkömmlichen Politik.
Es geht vielmehr darum, die Grundlagen, die Ursachen aller Manifestationen zu begreifen. Als Folge dieses Wissens um das neue Paradigma wird dann die angenehme Lebenssituation automatisch entstehen. Man arbeitet damit an der Ursache und nicht an der Wirkung. Beim herkömmlichen Politisieren wird an einem Gesellschaftssystem gearbeitet, beispielsweise am Wohlstand, am Frieden und an der Freiheit des Einzelnen ohne das Wissen, dass bleibender Wohlstand, Friede und bleibende Freiheit nur aus einem spirituellen Verständnis heraus wachsen können.
Wenn diese Errungenschaften nicht auf spirituellen Grundlagen stehen, brechen sie immer wieder ein, weil sie auf einem System der gegenseitigen Abhängigkeit oder gar auf Gewalt beruhen statt auf der Erkenntnis, dass sich jeder durch sein eigenes Denken, durch seinen eigenen Glauben alles selbst erschafft, was er im Leben antrifft.


Friede lässt sich nicht erzwingen

Normale Politik kennt auch beim Frieden das Prinzip der gegenseitigen Abhängigkeit. Sie glaubt, wer Frieden leben will, sei darauf angewiesen, dass auch der Nachbar Frieden haben wolle. Wie verhält sich der spirituelle Politiker, um Frieden zu erwirken?
Die Grundidee, dass man nur im Frieden leben kann, wenn auch der Nachbar Frieden haben will, gehört in das alte Paradigma. Frieden lässt sich nicht herbei zwingen. Frieden kann man nur aus einem innersten Grundvertrauen selber leben, jeder für sich, und aus diesem Vertrauen heraus wird man auch keinen Widerstand leisten. Jeder Widerstand gibt dem Gefürchteten mehr Kraft und Bestand, es wird durch Widerstand eigentlich energetisiert.
Man kann einem Konflikt auch nicht mit einem "guten" Verteidigungssystem vorbeugen. Jedes Verteidigungssystem dient der Symptombekämpfung, die vielleicht eine äußere Form von Frieden erpresst, aber der Frieden ist dadurch nicht im Individuum verankert. Der Mensch verhält sich in einem solchen System nicht aus einem spirituellen Verständnis heraus friedlich, sonst hätte er die Idee der Verteidigung längst aufgegeben. Es können in seinem Innern weiterhin viel Angst, Frustration oder Unmut und die entsprechende Bereitschaft zum Streit, zum Konflikt und zur tätlichen Auseinandersetzung bestehen. Ein Rechtsstaat oder ein System, das Gewalt kanalisiert, unterdrückt den freien Ausdruck dieser Gefühle. Obwohl Gewalt noch nie ein taugliches Mittel zur Lösung von Problemen war und es auch nie sein wird, gehört sie bis zu einem bestimmten Entwicklungspunkt zum Menschsein.
Die Ursache aller Gewalt, jeder Aggression ist immer Angst. Früher oder später kommt sie trotz aller Unterdrückung zum Ausdruck. Indem man kanalisiert und unterdrückt, löst man die Ursachen der Aggression, also die Angst, nicht auf. So betreibt man weiterhin Symptombekämpfung, die nicht spirituelles, sondern höchstens moralisch-ethisches Verhalten bewirkt. Man erreicht damit eine vordergründig friedliche Gemeinschaft und ein "funktionierendes" System.
Spirituelle Politik hingegen muss die Wurzel der Gewalt, die Angst selbst auflösen. Und das ist nur durch das Schaffen von Selbstvertrauen möglich, das in jedem Fall auf dem Wissen um die eigene Schöpferkraft gründet.


Konflikte gehören zu jedem Entwicklungsprozess

Nach außen wirklich friedlich sein kann man also offenbar erst, wenn man inneren Frieden gefunden hat. Die vorhandenen Aggressionen müssen, wenn nicht verdrängt und unterdrückt, dann wohl in Konflikten ausvibriert werden. Wie kann eine spirituelle Politik das mittragen? Lässt sie Konflikte zu?
Ja. Man muss dafür annehmen können, dass Konflikte zu jedem Entwicklungsprozess gehören. Es gibt keine Evolution ohne Konflikte. Die Frage ist eher, wie man einen Konflikt austrägt.
Man darf als spiritueller Mensch vor einer gewaltsamen Auseinandersetzung keine Angst haben, sonst zieht man einerseits die Auseinandersetzung an, weil man davor Angst hat, und andererseits konditioniert man sein eigenes Verhalten, um Konfliktsituationen zu vermeiden. Man ist nicht mehr authentisch.
Nehmen wir als Beispiel eine Beziehung im Kleinen, eine Zweierbeziehung. Diese wird mehr Qualität haben und länger leben, wenn die Partner von Anfang an Konfliktfähigkeit einbringen, wenn sie also keine Angst davor haben, eine Konfliktsituation zu leben. Dann werden sie feststellen, dass solche Konfliktsituationen nur ihrem eigenen Wachstum dienen. Wenn sie die Konflikte verdrängen, können sie das nicht feststellen, und die Differenzen werden nicht abgebaut, sondern akkumuliert. Dann kommt es früher oder später zum offenen Streit. Im Fall eines Kollektivs kann das einen Krieg bedeuten.


Angstmotivation manifestiert das Ereignis

Gegenwärtig erleben wir weltweit solche Konflikte. Als Reaktion auf den Irak-Konflikt etwa haben Lichtarbeiter rund um die Erde diverse Aktivitäten entwickelt in Form von Rundschreiben mit Aufrufen zu Friedensmeditationen und Unterschriftensammlungen. Es wird auch auf den Strassen demonstriert. Sind diese Aktivitäten nun Symptome einer Angst vor dem Krieg? Helfen sie der Situation?
Friede kann nur auf Angstfreiheit bestehen, und Angstfreiheit kann nicht erzwungen werden, sondern die entsprechenden Programmierungen müssen freiwillig losgelassen werden.
Es kommt also darauf an, aus welcher Motivation diese Aufrufe gemacht werden. Sind sie angstmotiviert, tragen sie zum Ausbrechen eines Krieges bei, indem sie mit der Emotion Angst und der Aufmerksamkeit, die jeder hineingibt, das Ereignis manifestieren, also zur Manifestation der Idee «Krieg» beitragen.
Ein solcher Aufruf hat nur dann einen Sinn, wenn man keine Angst vor dem Krieg hat. Das tönt wahrscheinlich paradox, weil man sich ja sagen könnte: «Wieso sollte man einen Aufruf machen, wenn man vor dem Ereignis eh keine Angst hat?» In einem gewissen Sinn stimmt das auch. Obwohl die allermeisten Kriege auf der Erde von wenigen Machthabern zur Wahrung ihrer Interessen inszeniert werden, so ist doch jeder Einzelne mitverantwortlich, der sich direkt oder indirekt daran beteiligt. Eine direkte Beteiligung wäre beispielsweise, sich als Soldat zur Verfügung zu stellen – eine indirekte wäre, die Idee Krieg aufgrund eigener Ängste und entsprechender Propaganda mit zu visualisieren und auf ein solches Ereignis zu fokussieren.
Generell kann man sagen: Je mehr Energie in einem solchen Aufruf ist und je dringlicher ein solcher Appell daherkommt, desto mehr Angstenergie ist drin. Ein spirituell entwickelter Mensch würde nicht an streitende Parteien appellieren oder sie gar zu einem friedlichen Verhalten zwingen wollen, weil er weiss, dass es diesen Konflikt braucht, solange die Beteiligten selbst den Weg zu einer friedlichen Lösung nicht sehen. Ausserdem ist er absolut überzeugt, dass ihm selber nichts passieren kann.
Er würde sämtliche Propaganda, die jedem Krieg vorausgeht, aus Furchtlosigkeit ignorieren und das Ereignis damit nicht energetisieren. Wie ihr alle wisst, können Machthaber ohne das Mitwirken der Menschen unmöglich Krieg führen. Solange ein Krieg aber noch von einer Mehrheit einer Kultur mitgetragen wird, kann sie aus dem Konflikt lernen.
Wir sehen daraus einmal mehr, dass spirituelle Politik bestehende moralisch-ethische Konventionen verletzen, ja richtiggehend über den Haufen werfen kann. Kurz gesagt: Wenn jemand den Krieg nicht aus Erkenntnis vermeiden kann, dann braucht er den Krieg, um daraus zu lernen.
Der spirituell entwickelte Mensch würde sich hingegen auf keinen Fall an einem Krieg beteiligen noch aus Angst dagegen kämpfen. Er würde sämtliche Bestrebungen, einen Krieg zu inszenieren einfach ignorieren, weil er erkannt hat, dass er mit einem Kampf gegen etwas Unerwünschtes seinen Fokus und damit seine Schöpferenergie direkt auf das Unerwünschte lenkt und das Ereignis dadurch mit energetisiert. Die sehr wirksame Methode des völligen Ignorierens aller unerwünschten Visionen ist den Machthabern auf der Erde übrigens sehr wohl bekannt, weshalb sie seit jeher alle Formen echter spiritueller Aufklärung sowie die entsprechenden Phänomene und Zeichen der Zeit sehr konsequent ignorieren.


Der Sinn des Lebens

Die Tatsache, dass spirituelle Politik auch Konflikte zulassen muss, dürfte für viele Lichtarbeiter starker Tobak sein. Was müssen sie erkennen, falls sie es noch nicht annehmen können?
Diese Diskussion führt letztlich zur Frage nach dem Sinn des Lebens. Die landläufige Auffassung, wonach der Sinn des Lebens darin besteht, ein möglichst langes, bequemes, angenehmes Leben zu führen, das erfüllt von vielen schönen Erfahrungen ist, steht im Gegensatz zur Auffassung eines spirituellen Menschen, wonach das Leben dazu dient, das gesamte Potenzial Gottes auszuloten. Im Zuge dieses Auslotens durchläuft der Mensch einen Entwicklungsprozess, der nicht nur durch Höhen und Tiefen führt, sondern durch die selben auch angetrieben wird.
Die Meinung, man müsse für eine Kultur durch Gesetzgebung, durch Reglements Rahmenbedingungen schaffen, die das Zusammenleben zu einer gleichmäßig verlaufenden, ausgeglichenen Erfahrung macht, ist keine spirituelle Grundhaltung, weil sie einen beachtlichen Teil des Potenzials, nämlich die Erfahrung aller Bereiche des Selbstes, behindert oder ausschließt.


Je nach Frustrationspotenzial

Gilt das nur für unser Frequenzband oder auch für andere Dimensionen? Gibt es auch bei höherentwickelten Kulturen Ups und Downs?
Ups and Downs gibt es auch in anderen Frequenzbändern, nur hat man dort weniger oder keine gewaltsamen Auseinandersetzungen wie auf der Erde. Aufgrund der viel größeren Kenntnis um die Funktionsweise des Bewusstseins, um die eigene Schöpferkraft und damit der Beeinflussbarkeit der Realität kommt man nicht in einen vergleichbaren Frustrationsgrad hinein. Das Konfliktpotenzial hängt nämlich wesentlich vom Angstpegel in einer Kultur und deren Individuen ab. Je weiter ein Bewusstsein entwickelt ist und je besser es weiss, dass der Sinn der Existenz die Selbsterfahrung Gottes ist, desto geringer ist das Frustrationspotenzial.
Dazu muss man natürlich auch wissen, dass das Leben nicht aus einer einzelnen Inkarnation besteht, dass es so etwas wie "Tod" nicht wirklich gibt und das Leben immer weiter geht. Allein dieses Wissen nimmt schon einen riesigen Teil, wenn nicht den grössten Teil des Angstpotenzials, der Ur-Existenzängste eines Menschen weg. Das erklärt auch, warum es in einer dichteren Dimension oder in einer materiellen Welt wie der irdischen viel mehr Streit und Konfliktsituationen gibt als in einer höherentwickelten Zivilisation, wo man weiss, dass es so etwas wie Tod gar nicht gibt und das Leben immer weiter geht. Obwohl sich durch das Ereignis des so genannten Todes die momentane Ausdrucksform des Menschen verändert, findet keine Unterbrechung in der Kontinuität seines Lebens statt. Man weiss eben, dass es keine lebensbedrohlichen Situationen geben kann. Nur deshalb ist das Zusammenleben in einer anderen Dimension friedlicher und nicht, weil man einen besseren Rechtsstaat, ein besseres Rechtssystem oder härtere Regeln entwickelt hat. Man hat im Gegenteil weniger oder keine Regeln, die eingehalten werden müssen. Denn jeder weiss um die kosmischen Gesetze und um die Freiheit jedes Einzelnen und lebt deshalb nach dem Grundsatz des Gewährenlassens.


Das Bedürfnis ist noch nicht vorhanden

Das spirituelle Grundwissen, von dem in diesem Gespräch die Rede ist, ist heute offen zugänglich. Trotzdem ist es von den meisten Menschen noch nicht angenommen und umgesetzt worden. Warum?
Dieses Wissen ist hier tatsächlich offen zugänglich für den, der danach sucht. Es ist noch nicht so, dass es von der Öffentlichkeit getragen, dass es über die offiziellen Informationskanäle zugänglich gemacht wird – über Schulsystem und Massenmedien. Obwohl in den industrialisierten Ländern schon ein großer Teil der erwachenden Bevölkerung nach diesem Grundwissen sucht, kann es in den meisten Fällen erst wirklich angenommen und umgesetzt werden, wenn der Einzelne zum Schluss kommt, dass die Glaubensmuster des alten Paradigmas wirklich nicht mehr genügen und tatsächlich überholt sind.


Entwicklung durch Erfahrung

Wie haben höherentwickelte Kulturen diesen Paradigmenwechsel zustande gebracht?
Falls diese Kultur irgendwann einmal am gleichen Punkt stand wie die irdischen Menschen, dann hat sie es auf dieselbe Art gemacht wie die Menschen, nämlich durch «negative» und «positive» Erfahrungen sowie dem Integrieren neuer Information.
Wenn man keine Erinnerungen an Existenzebenen hat, wo das neue Paradigma bereits Allgemeinwissen ist und wo in einem solchen erweiterten Bewusstsein gelebt wird, braucht man handfestere Erfahrungen, konkretere Erlebnisse unangenehmer Art, die einen aufrütteln und für Neues öffnen.
Wenn kein Leidensdruck da ist, ist das Bewusstsein, das in dieser Dichte lebt, in der Regel nicht offen für einen solch radikalen Paradigmenwechsel. Einfach gesagt: Solange es ihnen wohl ist, interessiert es die Menschen gar nicht, dass und wie sie sich ihre Wirklichkeit selbst manifestieren.
In diesem Sinn ist es vielleicht der schwierigste Entwicklungsschritt, jemanden dorthin zu bringen, wo er sich wirklich um die ganz grundlegenden Gesetze interessiert. Wenn er diese dann einmal begriffen hat, hat er das Fundament, auf dem er durch alle Ebenen hindurch aufbauen kann: Seine Gedanken erschaffen seine subjektive Realität. Er muss erkennen, dass man die Gedanken entweder mit Angst oder mit Liebe energetisiert und man sie dann als Realität erfährt. Dieses Wissen ist, wie gesagt, an sich zugänglich. Die Menschen gehen jedoch nicht freiwillig auf die Suche danach, sondern sie brauchen immer noch schwierige Erfahrungen, die sie so destabilisieren, dass sie Fragen stellen, dieses Wissen suchen und aufgrund ihrer neuen Offenheit auch absorbieren. Als Vorbereitung auf diesen Moment wird von der inneren Ebene aus sichergestellt, dass sie diese Antworten zu gegebener Zeit finden. Es ist mit eine Aufgabe der Lichtarbeiterschaft, dieses Wissen zur Verfügung zu stellen. Diese Vorarbeit ist jetzt eigentlich zum grossen Teil geleistet.


Dank Erinnerungen

Nun gibt es Menschen, die ohne solche schwierige Erfahrungen zu diesem Fundament gekommen sind.
Ja. Das sind jene, die Erinnerungen haben, weil sie schon in solchen Kulturen gelebt haben. Wer noch keine Erinnerungen an seine früheren Leben hat, wird durch den Leidensdruck dazu geführt, sich entsprechende Fragen zu stellen. In diesen Phasen sind aber auch die Antworten, wie gesagt, schon vorbereitet. Und in dieser Phase sind wir jetzt.


Es kommt, was gebraucht wird

Wie schwierig muss eine Erfahrung sein, damit sie eine Destabilisierung, eine radikale Öffnung bewirkt?
Das hängt von den speziellen Programmierungen und Konditionierungen einer Zivilisation ab. Es wird auf jeden Fall das stattfinden, was die Einzelnen genug destabilisiert, um sich zu öffnen und bereit zu sein, das alte Paradigma loszulassen. Sie müssen bereit sein für diesen Schritt. So werden für jede Kultur Ereignisse eintreffen, die genügend kraftvoll sind für eine Destabilisierung, damit sie für den nächsten Schritt offen wird und das alte Paradigma zugunsten eines neuen loslässt. Eine Destabilisierung muss darum nicht zwingend in Form eines Krieges stattfinden. Und wenn das der Fall wäre, wird eine gegebene Kultur nur solange Kriege oder Katastrophen brauchen, bis sie genügend destabilisiert ist – und keinen Tag länger.
Destabilisierung kann auch durch gewaltlose Ereignisse stattfinden, zum Beispiel durch das Erscheinen außerirdischer Zivilisationen, bahnbrechende Erfindungen, schockierende Enthüllungen oder einen wirtschaftlichen Kollaps, worin keine Gewalterfahrung involviert sein muss. Wenn das genügt, um die Angehörigen eines Kulturkreises an den Punkt zu führen, wo sie bereit sind, alles grundsätzlich zu überdenken, was sie bisher als Wahrheit angeschaut haben, dann reicht das, und sonst braucht es eine Kombination der obigen Szenarien oder mehr.


Eine erfolgreiche Taktik

Ich dachte ursprünglich, der Paradigmenwechsel könne bei uns mit kleinen Schritten angegangen werden: Man zeigt zwar das Ziel, das Ideal, geht den Weg dorthin aber kleinschrittweise, weil das Bewusstsein der meisten irdischen Menschen im Moment noch keine grossen Entwicklungsschritte machen kann. Das dürfte aber gerade keine nachhaltige Destabilisierung bewirken. Wird darum in unserem Fall eine radikalere Kur nötig?
Zur Zeit werden auf der einen Seite Menschen vorbereitet, die im neuen Paradigma schon sehr verankert sind, sich aus dem Massenbewusstsein lösen und in andere Realitäten vorausgehen, während sich die anderen – extrem gesagt – noch gar nicht um Spiritualität kümmern. Das kann zeitlich so eingerichtet werden, dass an dem Punkt, wo sich die einen in parallele Realitätsebenen hineinbewegen, bei der Masse eine grosse Destabilisierung, eine eigentliche Apokalypse stattfindet. Im Moment dieser massiven Destabilisierung treten jene auf, die schon genügend vorbereitet oder vorausgegangen sind, um den Menschen ein völlig neues Weltbild anzubieten und ihnen zu zeigen, dass auch sie ihr Bewusstsein innerhalb kürzester Zeit drastisch erweitern können, was den so genannten "Aufstieg" bedeutet. Dank der unmittelbar vorausgegangenen massiven Destabilisierung sind sie offen genug, um diesen radikalen Paradigmenwechsel anzunehmen.


Das alte Weltbild wird zerstört

Das wäre eine optimale und effiziente Strategie. Können wir davon ausgehen, dass jene, die diesen Planeten auf der inneren Ebene lenken, eine solche Strategie ins Auge fassen?
Ja. Weil diese Strategie vieles erleichtert. Damit erspart man sich viele Zwischenschrittchen und kann aufs Ganze gehen. Es muss nicht Programmierung um Programmierung abgebaut und ausgewechselt werden, sondern es wird auf einen Schlag das alte Weltbild zerstört und am gleichen Tag das neue angeboten. Dadurch wird im Idealfall das Alte aus dem Regal genommen und das Neue hineingestellt. Weil dank dieser Destabilisierung die Türen des Bewusstseins weit offen sind, kann der Mensch alles, jede Alternative annehmen – sei sie für den Verstand noch so unglaubwürdig. Ohne diese Destabilisierung funktioniert die «Qualitätskontrolle» des Verstandes, die auf seinen alten Programmierungen, auf dem alten Weltbild basiert und alles ablehnt, was damit nicht übereinstimmt. Wenn jemand hingegen total erschüttert ist und keine Lösung oder Erklärung aus seiner Erfahrung, aus seinem alten Paradigma mehr sieht, ist er offen für ein gänzlich neues Verständnis unserer Welt.



 
Quellen und Verweise:
Dieser Artikel ist auch im Lichtfokus Nummer 1 · Frühjahr 2003 erschienen.
 
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