Sie haben einen Beitrag zu    Politik  ausgewählt:
 
Autor: Claudius Kern
erschienen: 02.09.2001
Herausgeber: Elraanis
 

Revolutionen

Bild1. INDUSTRIELLE Revolution
Streben nach Machbarkeit der Dinge, nach materiellen Werkzeugen und Produkten, Fabriken, Lager; auch Verwaltung und Schulen zum Gebrauch des Menschen für die Ding-Schöpfung.

2. WISSENS Revolution
Die Entdeckung der Information als Schlüssel, die Welt besser zu organisieren und den instrumentellen Fortschritt zu beschleunigen, aber auch Wissen als Wert an sich und als Zugang zu allem, was quantitativ gewogen, gemessen und analysiert werden kann. Die machtpolitisch orientierten starren Glaubenssysteme werden als menschenunwürdig erkannt, wobei jedoch alles Seelen- und Wesenhafte in der Natur zu Aberglauben abgestempelt und durch Verdinglichung und kausale Logik ersetzt und das Lebendige rein als Mechanismus erklärt wird.

3. BEWUSSTSEINS Revolution
Die Entdeckung des Bewußtseins als Schlüssel Wiedervereinigung und Transformation von innen und außen. Mit der Entdeckung der Innenwelt als solcher lösen menschliche Werte immer mehr die materiellen ab. Das dunkle Zeitalter der wissenschaftlichen Leugnung und konfessionellen Vereinnahmung der Wesens- und SINN-Dimension geht zu Ende. An Stelle von Glaubens-“Antworten“ tritt Selbst-Erfahrung und Selbsttransformation in Eigenverantwortung. Allenthalben erfolgt ein Wiedererinnern an alte spirituelle Traditionen, die aber nicht starr übernommen, sondern weltweit untereinander und mit neuen transpersonalen Erfahrungen verglichen werden.


Die erste und die zweite Revolution ist streng außenorientiert und materialistisch. Zwischen Natur und Geist herrscht die klare Trennung von Objekt und Subjekt. Aufklärung wird verstanden als Emanzipation von Feudalismus und beherrschendem Konfessionalismus. Stattdessen kommt es zu einem schier grenzenlosen Glauben, daß alle Bedürfnisse durch Objekte (Produkte und Produktionsmittel) befriedigen zu können.
Dies führt zu einer radikalen Ausbeutung von Natur und Arbeitskraft. Unter Heilung wir Reparatur von Organ- und Zellschäden durch Mechanik und Ersatzstoffe verstanden.

Die dritte Revolution entdeckt das Innen-Außenverhältnis allen Seins neu: Um- und Mitwelt als Spiegel des eigenen Denkens, Fühlens und Verhaltens. Das führt zum Erkennen des Seins als Bewußt-Sein, um in eine integrale Selbst- und Daseinstransformation überzuleiten – über die Stufen einer personalen, humanistischen und metaphysisch-transpersonalen Psychologie. Letztere führt zu einer tieefgreifenden Neuformulierung des Religiösen als Rückverbindung mit der alldurchdringenden Lebensenergie und Intelligenz.

Diese Revolution ist in jeder Hinsicht tiefgreifender und umfassender als die beiden vorher: Nicht nur ist die SINN-Dimension die zweite Hälfte unseres Bewußtseins an sich (und zwar die „wesentliche“ im eigentlichen Wortsinn) neben jener der werkzeug- und produkt-orientierten Wissensbasen.
Der Mensch, der sich vordem als Mängelwesen begreift, erkennt immer deutlicher den Ur- und Beweggrund aller Bedingungen, Bedürfnisse, Möglichkeiten und Potentiale in seiner eigenen Seelentiefe. Der althergebrachte Begriff „Neugeburt im Geiste“ meint eigentlich dieses Gewahrwerden des inneren Fülle-Selbst-Bewußt-Seins. Dessen Realisierung - die Selbst-Transformation - verwandelt schrittweise den mängelorientierten Haben- in den (von Äußerlichkeiten zunehmend unabhängigen) Sein-Zustand. Es geht nicht mehr darum, die Natur (äußerlich) zu verändern, sondern im Innersten zu verstehen – letztlich als untrennbaren Spiegel und Teil des eigenen Bewußtseins. Das heißt, sie ergreift und transformiert die Existenz im Ganzen, innen wie außen.

Es begann mit einem relativ langen Umstellungsprozeß (Jahre bis Jahrzehnte), mit bewußterer Ernährung, Veränderung der medizinischen Vorstellung und der eigenen Glaubenssätze (Konditionierungen).
Was also langsam, mühevoll und wenig aufsehenerregend begann, steigert sich zeitlich und qualitativ geradezu exponentiell, sobald der sog. „Lichtkörperprozess“ die physische Ebene erreicht. Wer denselben bewußt erfaßt und durchlebt (egal durch welche Disziplin), dessen - auch existentielle - Bedürfnisse werden zunehmend direkt über das Bewußtsein befriedigt, und immer mehr äußere Hilfsmittel (Instrumente, Produkte und deren Wissenshintergrund) erübrigen sich somit.



Prähistorische Wurzeln



Die Welt vor diesen drei Revolutionen war seit dem prähistorischen Beginn die des magischen, mythologischen und schließlich beginnenden rationalen Bewußtseins (z.B. in Form von weltlichen und religiösen Glaubensbegründungen). Alle drei Perspektiven hat es aber in rudimentärer Form immer schon gegeben.
Allein schon aus herkömmlicher Geschichtsbetrachtung gibt es z.B. im antiken Griechenland bereits deutliche Ansätze von beginnender Ich-Entwicklung, spiritueller Emanzipation und Transformation, besonders durch Pythagoras und später durch Platon und die neoplatonistischen Schulen parallel zu den gnostischen Strömungen. Die römische Macht- und nachfolgende Glaubenspolitik unterdrückte aber in Europa und Kleinasien systematisch und relativ erfolgreich solche Strömungen bis zum Ende des Mittelalters.

Alle drei Revolutionen wurzeln in Europa somit in der Achsenzeit des 17. Jahrhunderts. Die Entdeckung der (empirisch-rationalen) Wissenschaft markiert den Beginn der ersten Revolution. Die Erfindung der Buchdruckerkunst ermöglicht zwar seit 1477 die zweite Revolution, die aber erst das Ende des Feudalwesens abwarten muß, um überhaupt anzufangen. Bekanntlich verdichtet sich die Bildungsrevolution immer stärker, bis sie sich schließlich explosionsartig seit den 1980er Jahren steigert, am Höhepunkt der ersten (während die Industrie-Märkte eine weitgehende Sättigung erfahren) und zwar in Form der „Chip-Revolution“. „Software“ wird noch breitflächiger und flexibler denn Bücher als „Metainstrument“ mit höchstem Handelswert erkannt.

Die vorläufig letzte Steigerung vollzieht sich soeben auf der Ebene des „Global Brain“ - des Internets. Dies führt aber gleichzeitig zu einer Wissensinflation.
Selbst der grundlegende Überblick geht in vielen Bereichen zunehmend verloren und der Gedächtnisspeicher nimmt nichts mehr auf. Information verkommt zur Fernseh-Unterhaltung, und nichts davon bleibt mehr hängen.

Die dritte Revolution hätte ebenfalls im 17. Jh. einen bedeutsamen Aufstieg erfahren, wäre sie nicht durch die 1660 gegründete Royal Society in London und die 1666 gegründete französische Akademie der Wissenschaften (im Interesse von reichem Bürgertum, Staat und Kirche) niedergekämpft und in den Untergrund verdrängt worden.
So findet sich beispielsweise erst Anfang des 20. Jh. eine kleine, aber bedeutsame Schar von Freigeistern, Dichtern und Denkern am Monte Veritá bei Ascona zur „Neuen Innerlichkeit“ zusammen.

Unterbrochen vom 2. Weltkrieg mit dessen Vorbereitungs- und Erholungszeit, beginnt deren breitflächige Wiederentdeckung erst mit der (psychedelischen) Drogenkultur und Hippiebewegung der 1960er Jahre - meist in Form einer provokativen Verweigerung des „gutbürgerlichen“ Lebens.
Der subkulturelle „Aussteigercharakter“ endet erst seit den 1990er Jahren durch die öffentliche Anerkennung der Bewußtseinsangebote als Marktwert, während die „Bewußtseinsbewegung“ in Form vieler esoterischer Modewellen zum Mainstream (breite Öffentlichkeit) durchsickert.


Beispiele

• Der Lebenshilfe- und Esoterik-Buchmarkt boomt ohne Ende und steigt zum bedeutendsten der ganzen Branche auf.

• Die von Pharmakonzernen und Technik beherrschte Medizin verliert aufgrund von zunehmend bekannten Nebenwirkungen, Symptom Verschiebungen und oberflächlichen Symptom Bekämpfungen ihre Glaubwürdigkeit. Niedergelassene Ärzte beeilen sich aufgrund von Patientendruck und persönlichem Interesse, ihre Praxisschilder mit diversen Titeln der Naturheilkunde, energetischen oder sogar spirituellen Therapie zu schmücken.

• Psychotherapeuten werden arbeitslos, wenn sie sich nicht auch spirituelle Methoden aneignen.

• Fortbildungsangebote für Industriemanager übernehmen zunehmend Gedankengut aus Mentaltrainings, (keineswegs nur heller) Magie und sogar Schamanismus.

• Mentaltrainings und moderne Formen der Schamanenreise finden als Lernhilfe im Schulwesen Eingang.

• Energetische Produkte auf feinstofflicher Basis, etwa zur Informierung von Räumen, Wasser und Lebensmitteln erobern den Markt.

• Radiästhesie, Geomantie und Feng Shui folgen dem Ruf in die Bauwirtschaft und Gartengestaltung.

• Die Priesterkaste, die sich immer schon mehr verhindernd als vermittelnd („Pontifikalamt“) zwischen Gott und Volk stellte, verfällt dem Artensterben. Sinnfindung und Bewußtseinstransformation verlassen ihre religiösen Eltern und werden sozusagen zum ganz normalen Laienberuf.

• Nicht zuletzt boomen die esoterisch, bzw. spirituell orientierten Berufe vom Astrologen bis zum Reikimeister und Wellnesstrainer, so daß hier ein neues Marktsegment immer bedeutendere Ausmaße annimmt.

Folgende Tendenzen bzw. Szenarien sind abzusehen:

a) die Teilung in eine technophile (letztlich materialistisch begrenzte) und senso- bzw. noophile (spiritualistisch-tranzendenz offene) Welt. Daraus entsteht ein Konfliktpotential, dessen Ausgang dramatisch werden kann.

b) eine friedliche Synthese der beiden, wobei jedoch die spirituelle Bewußtseinsrevolution die Führungsrolle übernimmt und zunehmend die Form der Technologie bestimmt. Langfristig ist aber auch hier ein Ende äußerer technischer Hilfsmittel abzusehen, weil innere Resourcen und Fähigkeiten letztlich zu umfassenderen und befriedigenderen Ergebnissen führen.

Anders gesagt: Die Entdeckung und Transformation zur Wesensnatur überflügelt sehr bald alle Möglichkeiten, welche technische Werkzeuge zu bieten haben. So kommt es zum endgültigen und bleibenden Umschlag vom Haben zum Sein, vom Ding zum Wesen.
Die Bewußtseinsrevolution bestimmt auch die Zeit, wonach Handel und der Wertmaßstab Geld (Zahl und Quantifizierung als Seinsbestimmung) evolutionär durch Weg- Bewußtsein, qualitatives Lernen und Selbsttransformation als eigentlicher Wert ersetzt werden.


 
Seitenanfang Übersicht     E-Mail versenden Druckansicht
 
 
Copyright © 2002 Elraanis Verlag, Alle Rechte vorbehalten