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Politik
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| Autor: Tom Groß |
| erschienen: 24.11.2011 |
| Herausgeber: Elraanis Verlag | | | Würdevolles Miteinander |
Hartz IVIn Frankreich gibt es zwar nicht Hartz IV, aber eine den deutschen Jobcentern verwandte Einrichtung. Auch dort soll Menschen eigentlich geholfen werden, bei Arbeitslosigkeit a) einen neuen geeigneten Job zu finden und b), in der Zeit ohne Arbeit finanzielle Unterstützung zu bekommen. Nun ist die wirtschaftlich/soziale Situation von Frankreich und Deutschland nicht so verschieden. Hier wie dort wird klar, es kann und wird niemals für jeden eine Arbeit zu finden sein. (Zumindest solange, wie wir 'Arbeit' in seiner traditionellen, starren Weise definieren.) In den Jobcentern werden die Mitarbeiter hier wie dort dazu angehalten, langfristige Arbeitslose als Problemfälle zu betrachten und genügend Druck auszuüben, damit letztere auf Biegen und Brechen wieder aus den Akten verschwinden. Dafür kommen zum Teil sehr rüde und entwürdigende Umgangsformen zum Einsatz: kontrollierende Hausbesuche, Offenlegung auch der unbedeutendsten Privatverhältnisse, Kürzungen der Bezüge aufgrund kleinster vermeintlicher »Fehlungen« usw. Außerdem wird gezielt ein schlechtes Gewissen in der Form suggeriert, dass längere Arbeitslosigkeit den Steuerzahler, also jeden, schwer belastet, ein Arbeitsloser somit ein gesellschaftliches Ärgernis darstellt. Nun haben die Angestellten der französischen Arbeitsagentur ANPE öffentlich erklärt, dass sie nicht länger bereit sind, Sanktionen gegen Hilfebedürftige in irgend einer Weise zu unterstützen:
»Wir, die Beschäftigten der ANPE, erklären, dass wir auf keine Weise Menschen schaden wollen, die schon durch den Verlust der Beschäftigung und des Einkommens verletzt sind.
Wir verweigern uns, sie auszugrenzen, und wir werden keine Streichungen mehr durchführen, ohne vorher die moralischen und menschlichen Folgen mit zu beachten. (...) Wir verweigern uns, eine soziale Polizei zu sein, angewiesen zur Unterdrückung, anstatt als öffentlicher Ratgeber für Beschäftigung agieren zu können. Weder Arbeitsuchende noch Beschäftigte der ANPE sind verantwortlich für den Zustand des Arbeitsmarktes (...). Wir sind mit den Arbeitsuchenden solidarisch. Wir weigern uns, falsche Zahlen, unlautere Angebote und leere Unterhaltungen zu produzieren, und wir werden unsere beruflichen Praktiken dazu einsetzen, den Nutzern unserer Dienste zu helfen, im vollen Respekt ihrer bürgerlichen Rechte.” (Auszug)
Eine durchaus sympathische Haltung unserer französischen Nachbarn. Sie zeugt nicht nur von Zivilcourage, sondern macht zudem deutlich, dass sich ein neues Bewusstsein im Zusammenhang mit Arbeit & Lohn = Daseinsberechtigung durchzusetzen beginnt. Was ist Arbeit denn eigentlich? Nur für die man Steuern zahlt und Lohn erhält? Ist jene Arbeit von Müttern, pflegenden Kindern, oder solche aus caritativen, gemeinnützigen Beweggründen bspw. deshalb keine richtige Arbeit? Die Zeit ist reif dafür, Arbeit neu zu verstehen, neu zu benennen und neu zu bewerten.
Quelle: www.gegen-hartz.de
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