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Autor: Brit Morf
erschienen: 21.10.2002
Herausgeber: Elraanis Verlag
 

Der Tempel des göttlichen Willens (Teil 2)

Babaji

Fortsetzung von Babajis Rückkehr:

Im Geiste sass ich mit Babaji auf einer Wiese. Tief unter uns der Thunersee, direkt gegenüber die Berg Berühmtheiten Eiger, Mönch und Jungfrau. Die Sonne schien, Babaji ruhte in sich gekehrt und alles war friedlich.
Aber wie stand es mit mir? Ich beschäftigte mich mit ihm. Mit seiner Kraft und seiner unglaublichen Präsenz, die mich jederzeit in Stücke reissen könnte und fühlte mich deswegen unbehaglich, ja ausgeliefert. „Du kannst mich in die höchsten Höhen hinauf katapultieren oder mich am Boden zerschellen lassen“, sagte ich zu Babaji. Er lächelte, doch dann verwandelte sich sein Lächeln in ein Lachen. „Das magst du also nicht. Dann ändere es.“
Ich überwand mich und fragte ihn, wie ich denn die Macht, die er über mich ausübe, zu mir zurück nehmen könne. Babaji blickte mich unergründlich an. „Ich habe keine Macht über dich“, hörte ich seine Stimme in meinem Inneren. Ich wandte meinen Blick ab, starrte die Eiger Nordwand an und wusste nicht mehr was sagen. „Macht besitzt man immer nur über sich selbst. Alles andere ist Einbildung und Illusion.“
Wie immer, wenn Baba mir etwas übermittelte, schenkte er mir auch gleich die Erkenntnis dessen, was er mitteilte.
- Er sei niemand, nur ein Spiegel, hatte er einmal gesagt...




Brit Morf

Du sollst dich hingeben

Ich blickte wieder auf meinen geliebten Babaji. Er hielt jetzt die Augen geschlossen, wobei sein Gesicht vor Schönheit und Liebe strahlte. „Du sollst dich hingeben“, offenbarte er mir ohne Worte. „Es braucht nur Hingabe. Gib dich allem was ist hin. Das ist der Weg des Wassers. Zuerst müsst ihr durchs Feuer der Transzendenz gehen und dann durchs Wasser der Hingabe. - Wenn ich wieder bei euch bin, sollt ihr euch dem Göttlichen hingeben,“ bekräftigte Babaji.
Noch lange blieben wir schweigend sitzen. Dann plötzlich erhob er sich beweglich wie eine Katze und eilte leichtfüssig den Hang hinauf. „Komm, du sollst Zeugin sein, wie ich mich heute manifestiere!“ Eilig stand ich auf und bemühte mich, ihm zu folgen.

Ich ging hinter Babaji her, bis er irgendwo in der Landschaft stehen blieb.
„Hier soll es sein. Hier errichte ich jetzt den Tempel des göttlichen Willens“, eröffnete er mir. „Mein Wesen selbst mache ich zum Tor, aus welchem der göttliche Wille neu auf die Erde strömt. Die alten Tore im Himalaja sind versiegt. Darum haben wir, vereint mit euren Kräften, seine heilige, geistige Essenz zu diesen Bergen gebracht. Wir haben den Himalaja über die Alpen gegossen. Alles verschiebt sich mit der Zeit.
Lange kannte man in Indien und in der ganzen weiten Himalaja Region das Geheimnis der geistigen Hingabe. Und dieses Wissen zeichnete seine Völker aus. Aber durch die Jahrtausende hindurch verkam die heilige Praxis zu stumpfen Ritualen, zu untätiger Lethargie und zerstörerischem Fatalismus. Der Geist zog sich langsam zurück.
Nun habe ich mir diesen fruchtbaren Boden hier ausgesucht, um das Göttliche in der Form des höchsten Willens wieder aus einer neuen, frischen Quelle sprudeln zu lassen. Hier sei ihr Ursprungsort!“
Für einen Augenblick erschien mir Babaji wie ein Lichtblitz, der alles durchfuhr, was sich in seiner Nähe befand, auch mich.

Babaji schaute mich an und vor mir offenbarte sich feinstofflich der Tempel des göttlichen Willens in seinem irdischen Ausdruck: Ich sah einen riesigen Platz, der mit wunderschönen Steinmosaiken gepflastert war. In seiner Mitte standen geschwungene, offene Hallen. Und ganz im Zentrum befand sich eine goldene Kuppel, nur auf Säulen ruhend. Unter dieser Kuppel thronte ein von hellem Schein umgebenes Paar. Waren es Schiwa und seine Frau Parvati? Sie strömten eine vereinigte, männliche und weibliche Energie aus. Es kam mir vor, als würde ein erneuertes Universum, eine neue Schöpfung aus ihren Händen und Füssen hervor quellen. Ihre Augen und Stirn waren fast nicht erkennbar, weil je eine Art Sonne aus ihnen heraus strömte. Diese waren so gross, dass sie zu einer verschmolzen.
„Komm“, sagte Babaji zu mir und nahm mich bei der Hand. Wir traten in diese Vision ein, überquerten den grossen Platz, gingen vorbei an den Hallen, wo plötzlich viele Wesen sangen und musizierten. Ich existierte nicht mehr in meiner alten Form, sondern war jetzt ganz Teil dieses Ereignisses. Ich war einfach und floss mit dem Augenblick. Alles war in Ordnung. Denn obwohl ich mich nicht auf der physischen Ebene befand, war ich so klar bei Bewusstsein wie nie zuvor. Ich erkannte genau, was hier geschah, ohne dass ich einen Gedanken daran verschwenden musste. Zwischen Babaji und mir herrschte das absolute Einverständnis, die absolute Klarheit. So schritten wir zum Tempel, stiegen die paar Treppen hoch und verschmolzen mit diesem Paar.
Und da waren noch viele andere Zeugen dieser Vision. Sie alle verschmolzen gleichzeitig jeder und jede mit einem bestimmten Teil des Tempels des göttlichen Willens. So wurde der Tempel ins Leben gerufen; wurde das Tor verankert durch welches der göttliche Wille wieder direkt einfliessen konnte.
Jeder, der Teil dieses Tempels war und einen physischen Körper besass, würde bald hierher auf diesen Berg kommen, das wusste ich einfach.


Babaji

Vision des Tempels

Nachdem die Vision des Tempels wieder verblasst war, blieben Baba und ich weiterhin zusammen. Unsere Energien flossen gemeinsam und unsere Kommunikation funktionierte augenblicklich. Eigentlich dachten wir einfach das selbe.
Unter uns tief in der Erde nahm ich ein weit verzweigtes und bis heute noch nicht erforschtes Höhlensystem wahr. Dort unten rumorte es jetzt. Ich sah, dass das Innere des Berges vom selben Licht erfüllt war wie vorhin der Tempel. Hatte er sich in den Berg zurück gezogen? Sofort erkannte ich die Antwort: der Tempel ist hier überall. „Ich installiere ihn gerade“, sagte Babaji laut, was mich zusammen zucken liess, so schneidend fühlte sich dieser gesprochene Satz an im Vergleich zu unserer stummen Wissensteilhabe.
Ich konzentrierte mich noch einmal auf den Tempel, doch Babaji unterbrach mich. Es war genug für den Augenblick.
Langsam kam ich wieder zurück in meinen Körper und in meine Person, durch die ich auf der Erde lebte. Ich öffnete die Augen, erhob mich, trat auf meinen Balkon hinaus und blickte zum Eiger, über dem riesige Wolkenschwaden hingen. Die Sonne war gerade verdeckt.

Schon bald nach dem Ereignis drängte es Menschen in die Nähe jenes Ortes auf dem Beatenberg. Ich sage in die Nähe, weil der Tempel ja physisch nicht existierte und darum keinen genau benennbaren Platz hatte.
Auch mich zog es magisch dorthin. Eines Tages fuhr ich mit zwei Freunden los. Wie gesagt, wir hatten kein präzises Ziel, sondern kurvten einfach mit dem Wagen hinauf zum Dorf und parkten ihn. Ein kühler Wind blies, aber die Sicht war klar und wunderschön. Ich versuchte mich zu erinnern, wo genau ich denn mit Baba gewesen war: irgendwo in der Landschaft! „Der Tempel ist hier überall“, hatte er gesagt. Was sollten wir also tun? „Spazieren wir doch einfach mal“, schlug jemand vor. Sobald wir uns zu Fuss bewegten, gerieten wir Drei schnell in eine ungewöhnliche Stimmung. Ohne dass wir etwas dazu taten, glitten wir in die Ebene hinein, wo ich Babaji getroffen hatte. Unser Sinn war sofort erfüllt vom Tempel. Wenig später spürte ich die Vision wieder. Oder erinnerte ich mich bloss? Da breitete sich in meinem Innern die selbe Tempelanlage aus, aber alles andere war neu. Der ganze, grosse Platz war nun völlig überfüllt mit Erdenbewohnern! Schulter an Schulter sassen sie neben einander, das Gesicht zum Zentrum gewendet. Man konnte den goldenen Pavillon nicht von überall aus sehen. Er war ohnehin kaum mehr zu erkennen, denn die Sonne auf der Stirn des Mannes und der Frau, die ganze Schöpfung, welche durch das Paar einfloss, waren so Licht erfüllt, dass einem die Augen schmerzten, wenn man länger als ein paar Sekunden hin schaute. Aus den ebenfalls vollen Hallen hörte man Musik und Gesang. Aber die Menschen redeten nicht miteinander.

Meine Freunde erfuhren die selbe Schau. Der Tempel des göttlichen Willens war nun „installiert“, würde Babaji sagen.
Im Augenblick wo ich das dachte, spürte ich seine Präsenz in mir. Sanft aber bestimmt führte er mich wieder in die Vision hinein. Ich schob mich durch die Menge, zwängte mich zwischen zwei Personen und setzte mich ebenfalls hin.
Das Licht aus dem Pavillon traf mich nun ohne Übertreibung mit voller Wucht. Staunend nahm ich wahr, wie es sich in meinem feinstofflichen Körper verteilte, indem es in Sekundenbruchteilen durch ein Netz von feinen Kanälen in ihm schoss. „Gib dich dem hin“ hörte ich Babas Stimme. „Dein Wille ist ein schönes Gefäss für den göttlichen Willen; füll dich damit auf.“ Und wieder manifestierte sich Erkenntnis in mir: Wir, die Menschen im Westen, hatten einen starken Eigenwillen entwickelt. Wir waren geübt im ausgerichteten Handeln und im Durchsetzen unserer Absichten. Und das war nun die beste Voraussetzung, um dem göttlichen Willen in unserem Willen ein angemessenes Zuhause zu geben! Das erkannte ich mit einem Schlag und musste leise über das Unerwartete lachen.


Babaji

Unser Wille war das Gefäss für den göttlichen Willen.
Diese Vorstellung fesselte mich so sehr, dass ich alles andere vergass. Mein Wille befand sich in jeder Zelle meines Selbst, in jeder meiner Bewegungen, überall. Es gab nichts von mir, das ohne Wille war. Das wurde mir erst jetzt bewusst. Wie das Blut in meinen Adern durchpulste mich mein Wille. Und dieser Wille sollte nun zu einem Gefäss ausgehöhlt werden? Ich spürte, wie sich Widerstand in mir regte. Der Widerstand ganzer Völker. Die Furcht ganzer Völker.
Aber Babaji war bei mir und ich wartete auf seine Hilfe. „Bitte gib mir Klarheit“, bat ich ihn.
Bevor ich realisierte was geschah, befanden Baba und ich uns wieder in der süssen, unbeschreiblichen Einheit mit dem himmlischen Paar im goldenen Tempel. Wir waren nun das Tor, durch welches der göttliche Wille auf die Erde floss. Diese Berührung mit ihm, dieser Zustand, in dem ich beides zugleich war: göttlicher Wille und sein Gefäss, weckte in mir ein grenzenloses Gefühl der Befreiung und Erlösung. Ich war bei mir selbst angekommen. Der göttliche Wille bewirkte die Erlösung von aller Unfreiheit. Das war phantastisch! Dieser hier war der einzige, eine freie Wille, den es überhaupt gab. Mir war, als würde ich zum ersten Mal in meinem Leben wirklich durchatmen. Unglaublich!


Zu meinem Leidwesen wurde dieser kostbare Augenblick jäh durchbrochen. Unversehens kamen uns eine Menge Spaziergänger auf dem schmalen Weg entgegen und ich musste aufpassen, wo ich hin trat. Diese Menschen blickten mich aufmerksam manche auch sonderbar an. Oder war ich es, die in ihren Gesichtern nach einem Zeichen suchte? Kamen sie vielleicht vom Tempel? Ich blickte mich nach meinen Freunden um. Sie wirkten noch ziemlich abwesend, so ging ich schweigend weiter.
Wieder hatte sich etwas grundlegend verändert. Der Bann war endgültig gebrochen, die dritte Dimension aufgerissen und höchste Energie floss ein. Dieses „Leck“ würde sich schnell vergrössern. Und mit Sicherheit gab es noch andere.
Denn die Biegung der dritten Dimension war vollendet. Und bereits stand die nächste Veränderung bevor.

Fortsetzung folgt.


 
Quellen und Verweise:
Fortsetzung dieser Geschichte
Zum ersten Teil dieser Geschichte
 
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