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Autor: Aja
erschienen: 01.05.2000
Herausgeber: Elraanis
 

Sanskrit

BildObwohl heutzutage zahlreiche Sanskritworte, wie Karma, Yoga, Guru, Mantra, Chakra, Deva, Mandala, im täglichen lässigen Gebrauch von Millionen sind, haben nur sehr wenige Menschen die Tiefen dieser verblüffenden Sprache wirklich erforscht oder ihr ganzes Potential verstanden. Viele, die Sanskrit studiert haben, haben dies an einer typischen westlichen Universität getan, wo deren tiefgehende und spirituelle Seite nicht gewürdigt wird.

Sanskrit ist eine uralte Sprache. Sogar Sprachgelehrte erkennen an, dass Sanskrit mindestens 3000 Jahre alt ist, wahrscheinlich sehr viel älter. Doch für jene, die an die Texte Indiens glauben, ist Sanskrit ohne Anfang. Sanskrit ist die ursprüngliche Sprache, die uranfängliche Sprache, die schon immer existiert hat. Sanskrit ist die Sprache des Yoga, des Bewusstseins und des Mantra, jene feinen Worte der Kraft, die unmittelbar mit der Schöpfungsmatrix verbunden sind. Jeder der 49 Klänge oder Buchstaben des Sanskritalphabets wird als ein Aspekt oder eine Facette des Absoluten betrachtet und sogar die Schrift selbst wird ‘Devanagari’ genannt, was übersetzt ‘die Wohnstätten der Götter’ heißt.

Meine eigene Erfahrung mit Sanskrit begann vor mehr als 25 Jahren. Obwohl ein Amerikaner, wurde ich 1975 ein hinduistischer Mönch und Priester. Das brachte, neben dem Lernen vieler Mantren für Gottesdienst und Gebete, außerdem das Studieren uralter philosophischer Texte in Sanskrit mit sich. Wie auch immer, ich war in der Lage, Transliterationen (Texte, die in römische Buchstaben umgeschrieben wurden) anstatt der Devanagari Schrift zu verwenden, und so gab es für mich keine Notwendigkeit die Schrift zu können. Nach einer Weile stellte ich jedoch Unterschiede in den Übersetzungen fest – den selben Text auf unterschiedliche Art und Weise übersetzt. Ich erkannte, dass der einzige Weg, Sanskrit wahrhaftig zu verstehen war, es zu lernen. Und so fing ich damit an, mir selbst die Schrift beizubringen, die Grammatik zu studieren und Lehrgänge, zusammen mit anderen, abzuschließen. 1990 schließlich schloss ich ein Sanskritlehrer-Trainingsprogramm mit dem Amerikanischen Sanskrit Institut in Warwick, New York ab und mir wurde der Titel des Sanskrit Adhyapaka, Lehrer des Sanskrit, verliehen.

Während der letzten 10 Jahre habe ich Sanskrit rund um die Welt gelehrt, mit einem besonderen Schwerpunkt auf Bewusstsein und Gewahrsein. Der Grund dafür ist, dass jeder Sanskrit an einer Universität lernen kann, aber sehr wenige werden es auf diese Art und Weise tatsächlich verstehen. In vielen Fällen fallen mehr als 50 Prozent der Studenten, die versuchen Sanskrit an einer Universität zu lernen, vor Erziehung eines Abschlusses weg. Das liegt zum Teil daran, dass Sanskrit eine Wissenschaft des Klanges und Bewußtseins ist, und um es völlig zu verstehen, muss man in die Klänge des Sanskrit eintauchen. Sanskrit muss in Körper und Seele erfahren werden, anstatt mit dem Verstand oder Intellekt. Auch beim Übersetzen muß Sanskrit aus einer eher holographischen Perspektive betrachtet werden und kann nicht einfach linear Wort für Wort übersetzt werden. So wird auch das Sanskritlernen zu einem Yogaprozess, während dem man seine völlige Aufmerksamkeit auf das, was man sieht, hört und auf die Energien des Sanskrit richtet. Wenn man sich so dem Sanskrit nähert, wird es zu einer kraftvollen Erfahrung, der man sich hingibt, anstatt zu einem anderen Ziel, das es zu erreichen gilt.



Mantra

Obwohl mein Schwerpunkt auf dem Lehren von Sanskrit als einer Sprache lag, habe ich über die Jahre festgestellt, dass eines der am meisten interessierenden Gebiete das Mantra ist. Das Wort Mantra bedeutet das, was den Geist (man) beschützt (tra). Und überall haben Menschen ein starkes Interesse an dieser Wissenschaft. Mantra-Yoga ist im Besonderen die Wissenschaft des Klanges. Sie beginnt mit dem Sanskritalphabet selbst. Jeder der 49 Buchstaben hat eine besondere Schwingung und Bedeutung. Tatsächlich kann man einen der 49 Klänge nehmen und ihn einfach für einige Zeit singen und anfangen, die Energie, die er hat, zu fühlen. Wenn man überdies einen der 49 Klänge nimmt und ihn beendet, indem man den Mund schließt und einen ‘mmm’ Klang bildet, hat man ein Bija(Samen)-Mantra kreiert. Physiologisch bewirkt dieses Schließen des Mundes, dass die Schwingung in die Knochen des Schädels und das Gehirn getragen wird. Diese Schwingung erzeugt eine reinigende Wirkung, indem alte Energien freigegeben werden und indem man ihnen erlaubt, sich zu klären.

Bija-Mantren sind sehr kraftvoll, um die essentielle Natur der Existenz anzuzapfen. Da alles im Universum lediglich eine Schwingungsfrequenz ist, geben uns die Bija-Mantren eine Methode, uns diesen feineren Ebenen zu nähern. Das berühmteste Bija-Mantra ist ‘Aum’ oder ‘Om’. Es wird als das originelle Mantra betrachtet und ist der Ursprung aller Dinge. Man sagt, es sei der ursprüngliche Klang aus dem die ganze Schöpfung hervorging.

Neben dem Aspekt der Schwingung, erzeugen Bija-Mantren einen Konzentrationspunkt, so dass der Verstand, der gewöhnlich von einer grenzenlosen Anzahl beschwerlicher Gedanken abgelenkt ist, sich in einer einzigen Idee zentrieren kann. Und schließlich, kann eine Person mit einem Mantra wie ‘Om’ die ABSOLUTE Energie anzapfen, die mit dem Mantra angerufen wird.

Ein Mantra kann auf viele Arten und Weisen gesungen werden: schnell, langsam, laut, leise, in Gedanken und so weiter. Gewöhnlich wird empfohlen, dass man laut beginnt, dann flüstert und schließlich das Mantra nur im Geist bewegt. Wenn man, während man in Gedanken chantet, zu viel geistige Unruhe spürt, kann man zum Flüstern oder lautem Singen zurückkehren. Wenn man einmal in der Lage ist, sich geistig auf das Mantra zu konzentrieren, mit kleinen oder keinen Störungen, dann kann man damit anfangen, dem Mantra zu erlauben, noch feiner zu werden. Man betrachtet vier Ebenen des Klanges: die verbale, die geistige, jene, die noch vor der geistigen Ebene ist, die wie der Keim eines Gedanken ist und schließlich die Ebene, in der man sich mit dem Absoluten verbindet. Während man sich auf das Mantra konzentriert, erlaubt man ihm feiner zu werden und zurück zu seinem eigenen Ursprung, dem Absoluten, zu gehen. Wenn man sich mit dem Mantra identifiziert und ihm zu seinem Ursprung folgt, tritt man selbst in das Absolute ein.

Eine Anmerkung der Vorsicht ist geboten. Wenn man dem Mantra ins Absolute folgt, tauchen andere Bereiche auf, die durchquert werden. Wenn man beispielsweise mit einem Fahrstuhl hinab ins Parterre fährt, kommt man auf seinem Weg durch viele Stockwerke, die interessante Ablenkungen mit sich bringen. Ähnlich verhält es sich, wenn man tiefer ins Bewußtsein eindringt. Es mögen sich viele Phänomene finden, um dich abzulenken. Man muss sich entscheiden, ob man an subtilen Phänomenen interessiert ist oder am Finden des Absoluten. Die indische Literatur ist mit tausenden von Mantren gefüllt; und obwohl viele von ihnen der Realisation des Selbst gewidmet sind, gibt es selbstverständlich weit mehr für andere Zwecke: das Erlangen von Liebe, die Kontrolle über Andere, die Entwicklung verschiedener Kräfte und so weiter. Und wieder muss man entscheiden, was man in Wirklichkeit will, ein Licht in der Welt zu sein oder etwas vorübergehendes Vergnügen zu bekommen.


Verständnis

Neben der Wohltat des Mantra, ist die Erlangung eines tieferen Verständnis des Absoluten ein anderer wundervoller Grund, sich dem Sanskrit zu nähern. In der vedischen Tradition heißt es, dass das, was wir sind, göttlich ist. Wie auch immer, diese Göttlichkeit ist unter anderem verdeckt mit unseren Ideen, unseren Glaubenssätzen, und Konzepten. Und so lange, wie wir an diesen Glaubenssätzen festhalten, kann die wahre Wirklichkeit nicht als das, was sie ist, gesehen werden. Durch ein tieferes Verständnis der Natur des Selbst und des Universums, können wir klarer sehen, wer und was wir sind. Beispielsweise mag man eine Fata Morgana auf der Straße sehen und glauben, dass dort Wasser ist. Wir fahren wahrscheinlich solange damit fort zu glauben, dass dort Wasser ist, bis das Phänomen der Luftspiegelungen erklärt ist. Wenn wir einmal die Wahrheit verstanden haben, mögen wir immer noch die Fata Morgana sehen, wir werden allerdings von ihr nicht mehr getäuscht.

Ähnlich verhält es sich mit den Vorstellungen, die wir haben, die uns von unseren Eltern, Familie, Freunden und Gesellschaft gelehrt wurden. Oft beinhalten diese Konzepte Begrenzung, und indem wir die begrenzte Natur dieser Konzepte verstehen, können wir sie loslassen und ein tieferes Erkennen unseres wahren Selbst erlangen.
Sanskrit macht das auf zweierlei Art und Weise:
Erstens sind viele der großen spirituellen Schriften des Ostens (Hindu und Buddhist) in wunderschönen Sanskritversen geschrieben. Durch das Chanten oder Singen dieser Verse stimmen wir uns ein in die reine Schwingung, die sie beinhalten, und sie helfen uns so, alte Ideen und Gedankenmuster loszulassen.
Zweitens: Indem wir die Bedeutung dieser Verse verstehen, die sehr oft die täuschenden Verhaftungen, die uns binden, und die Methoden, diese zu überwinden erklären und unsere begrenzten mentalen Glaubenssätze durch ein tieferes Verstehen und Weisheit ersetzen.

Wie der Kommentar eines Teilnehmers an unserem Sanskrit Training:
“Sanskrit scheint eine Art Eingangspforte in andere Bereiche zu sein. Ich fühlte mich sehr viel klarer. Es scheint eine Art Lernen auf mannigfaltigen Ebenen, auf verschiedenen Ebenen des Bewusstseins, zu sein.” oder der einer Teilnehmerin: “Aja ist nicht nur ein hervorragender Sanskritlehrer. Er ist fähig, während eines Sanskrit-Seminars nicht nur Sanskrit in außergewöhnlicher Weise zu vermitteln, sondern gleichzeitig auf mehreren Bewusstseinsebenen eine Umwandlung in uns zu bewirken, indem er uns zielgerichtet immer mehr auf den Punkt und damit ins Zentrum unseres eigenen SEINS bringt. Oft wird einem erst nach dem Seminar der enorme Umfang seiner großartigen Arbeit klar bewusst. Aja ist ein großer spiritueller Meister und ich schätze ihn sehr.”


 
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