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Autor: Jonette Crowley
erschienen: 17.08.2010
Herausgeber: Elraanis Verlag
 

Adler & Condor, Leseprobe

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Auszug aus dem Buch „Adler & Condor“ von Jonette Crowley

„Es ist Zeit,“ sagt Mallku und weckte mich. Er hatte sich schon um 04.00 Uhr morgens in der Dunkelheit angezogen, als Theodoro, der Herbergsvater, an unsere Tür klopfte, um uns zu wecken. Mallku schaute aus dem kleinen Schlafzimmerfenster hinaus, den Hügel hinunter und jenseits des Horizontes vom Titicaca-See. Ein paar rauchgraue Lichtstreifen unmittelbar vor der Morgendämmerung lagen im Wettstreit mit dem Glühen der Venus und mit dem Rest des schwächer werdenden Lichts vom Kreuz des Südens. Ein paar Schlucke aus meiner Wasserflasche, ein Besuch im Toilettenhäuschen, und ich war ebenfalls bereit.


Kraftplätze

Wir kletterten schweigend den steinigen Weg empor, meine Stirnlampe leuchtete uns den Weg, vorbei an einem Platz, wo eine Hand voll Arbeiter im Dunkeln darauf wartete, um mit der Tagesbaustelle an einem Gemeindehaus zu beginnen. Der Weg wurde steiler, als Lehmhütten den Weg zu einfachen Feldern freigaben, die durch flache Steinmauern voneinander getrennt waren. In der nebelhaften Dunkelheit konnte ich kaum die Silhouette einer Frau erkennen, vollkommen in Röcke gekleidet und mit zusammen gebundenem Schal, und ihrer Kuh, wie sie langsam einen anderen Weg hinauf zu ihren Feldern gingen. Ich fröstelte an diesem kalten, feuchten Morgen und zog Schal und Kragen enger um meinen Hals. Die Höhenlage ist beträchtlich, über 3.900m. Meine Atmung war zwangsläufig tief und zweckmäßig, während wir immer weiter den steinigen Weg bergauf wanderten.

Mallku und ich gingen in andächtiger Stille. Unser Ziel war es, Spirit zu erlauben, uns in die kosmische Heilung der Polarität zu führen, speziell auf die Trennung des Weiblichen und Männlichen bezogen, die in unserer Welt vorherrscht. Wir sind hierher gekommen, um dies als Zwillingsseelen zu tun – das Weibliche und das Männliche, nördliche und südliche Hemisphäre, der Adler und der Kondor. Dafür mussten wir zur Insel Amantani kommen, einem heiligen Platz am Titicaca-See, welcher durchzogen wird von einer bedeutenden, elektromagnetischen Ley-Linie, die als die Route von Wiracocha bekannt ist und von Bolivien bis nach Nord-Peru verläuft. Eine weitere Gitternetzlinie der Erde verbindet die zwei heiligen Seiten der Insel und macht diese somit zu einem der bedeutendsten Kraftplätze in ganz Südamerika. Mallku erklärte, dass die vor-kolumbianischen Menschen ihre Städte, Tempel und Wakas (heilige Stätten) generell auf den elektromagnetischen Konvergenzpunkten gebaut haben, um zu garantieren, dass sie stets von der höchst möglichen Schwingungsfrequenz profitieren würden.


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Der Mutter-Tempel

Am höchsten Gipfel der Insel steht der Mutter-Tempel, heiliger Platz der göttlichen Göttin – der Mutter Erde oder Pachamama, der lange vor der Zeit der Inkas, während der Tiahuanaco Kultur, erbaut wurde.

Nachdem wir dreißig Minuten bergauf durch die sauerstoffarme Höhenlage gegangen waren, die Sonne immer noch unterhalb des Horizontes, erreichten wir die Stelle, an der sich der Weg teilte. Mallku würde weiter in Richtung Vater-Tempel gehen, ich würde auf meinem Weg zum Gipfel der Insel und zum Mutter-Tempel eine Reihe von vier Steinbögen passieren. Wir hielten an, um uns gegenüber zu stehen, jeder schaute über die Schulter des anderen hinweg auf seinen eigenen Weg. Wir erhoben unsere Hände mit den Handflächen zueinander. Mallku rief die Geister von Amantani an: Mamacocha – der Geist des Wassers; Pachamama und Pachatata – das kosmisch Weibliche und das kosmisch Männliche. Er rief weiterhin die Führer und Meister und die Krafttiere an, genauso auch Inti – die Sonne, und Wiracocha – den Gott der Welt. Er rief auf für Segenswünsche für „unsere Schwester Jonette und unseren Bruder Mallku, für diese heilige Vereinigung.“ Wir umarmten uns und gingen dann in entgegen gesetzten Richtungen davon, jeder seinem eigenen Gipfel entgegen.

Ein eisiger, flacher Stein gegenüber vom Altar wurde zu meinem Stuhl. Während ich da saß, um wieder zu Atem zu kommen, erlaubte ich mir, die gelben Blüten zu betrachten, die von ihren Stängeln wie Zitronenbonbons herunterhingen. Winzig kleine lila Blumen stachen durch die Ritzen in der Steinmauer. Ich kam dieses Mal nach Peru, um jedwede Dienstleistung für die Menschheit und für diesen Planeten zu erbringen, die ich konnte. Ich betete darum, dass ich wissen würde, was zu tun sei und wie ich es tun sollte. „Ich rufe den Geist der kosmischen Mutter an, das göttlich Weibliche, die Göttin, Mutter Erde, während ich hier in diesem Tempel sitze, auf dieser heiligen Insel am geheiligten Titicaca-See. Ich bitte nun darum, im Namen der Menschheit und in meinem eigenen Namen, die Energien des weiblichen Pols des Planeten in einer heiligen Weise zu halten. Ich bitte die große Weibliche Präsenz, in mir und mit mir zu sein.“

In weniger als einer Minute fing mein Körper an, sich nach vorne und hinten zu schütteln; mein Kopf rollte in Wellen hoch und runter. Die Bewegungen waren ähnlich zu denen, die ich in einem Hotel in Puno erfahren hatte, allerdings war nicht zu leugnen, dass diese Energie beherrschender war. Schwingungen strömten in starken Wellen von Kraft durch mich hindurch. Ich war froh, da ich dachte, sie würden mich vielleicht warm halten. Die Bewegung ähnelte nicht einem Zittern, es war gewunden und wellen-ähnlich und gewann exponentiell an Intensität. Laut zu den Kräften des Universums sprechend, äußerte ich meine Akzeptanz dazu, meinen Teil zu diesem kosmischen Tanz beizutragen. „Ich bitte nun im Namen des göttlich Weiblichen darum, dass die Kräfte der Erde mit mir sind. Ich wähle es, diese Kräfte in meinem Sein zu sammeln und mich mit meinem Seelen-Bruder Mallku zu verbinden, welcher die männlichen Energien des Planeten im Tempel des Vaters sammelt.“ Ich glaubte daran, dass wir irgendwie wissen würden, wann jeder von uns diese Energien in seinen Körper und seine Seele aufgenommen hatte, und dann würden wir verschmelzen, uns vereinen und die Trennung zwischen dem Männlichen und Weiblichen heilen.


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Zwei Seelen

Ich fuhr damit fort, laut auszusprechen: „Wir sind an diesem Morgen gekommen, um die göttliche Weiblichkeit und die göttliche Männlichkeit zu heilen. Wir sind zwei Seelen, die den Aufruf beantworten. Wir sind gekommen.“

Dann fingen meine Knie an. Sie begannen schnell aufeinander zu und voneinander weg zu schaukeln, was verursachte, dass mein ganzer Körper von einer Seite zur anderen schwang. Das war anders zu der vorherigen Bewegung, die von vorne nach hinten ging. Ich schloss daraus, dass dies bedeutete, ich hatte mich mit Mallku´s Geist und den Energien des universellen Männlichen verbunden. Mein Becken, meine Schultern und mein Kopf pulsierten heftig vor und zurück. „Ich bitte um die Verschmelzung, die Vereinigung des Männlichen und Weiblichen. Ich bitte darum, die Trennung aufzuheben, die wir auf der Erde erfahren, und die Polarität auf unserem Planeten zu heilen. Ich bitte darum, mich in das Einssein mit meinem Seelen-Bruder Mallku hinein zu bewegen. Ich bin der Adler, und er ist der Kondor. Ich bitte um all dies für die gesamte Menschheit, während ich hier in diesem geheiligten Tempel auf dieser heiligen Insel sitze.“ Ich seufzte. Meine Atmung wurde schwerer, während meine Knie sich schnell nach innen und außen bewegten, gegeneinander. Meine Schultern bewegten sich vor und zurück, nicht sich schüttelnd, sondern eher sich verdrehend. Dann fing mein Oberkörper an, bei dieser Aktion mitzumachen. Diese ganze Bewegung war seltsam, während mein Körper auf Kräfte antwortete, die außerhalb meiner Kontrolle lagen. Dennoch fühlte ich mich sicher, gut geerdet und vollkommen dazu fähig, das zu tun, was ich tun musste.

Das war es. Das war die Vereinigung des Männlichen und des Weiblichen. Meine und Mallku´s Energie verschmolzen miteinander zu einer einzigen. Es gab noch mehr Seufzer, noch mehr Schütteln, schnellere, unwillkürlichere Bewegungen, als Energie-Wellen in einer elektrisierenden Vereinigung von mir Besitz ergriffen. „Im Namen der kosmischen Mutter, des göttlich Männlichen und Weiblichen und des Dienstes am Planeten bitte ich, dass sämtliche Polaritäten jedweder Art geheilt werden.“ Ein sanftes Wimmern entschlüpfte meinen Lippen, als die Energien langsam erstarben.


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Neue Stille

Die kraftvollen Wellen hatten aufgehört, verließen mich, um eine neue Stille zu fühlen, die ähnlich zu der Leere war, durch die ich zu einem früheren Zeitpunkt gegangen war, als mein Bewusstsein sich in Richtung von Mallku´s Geist bewegt hatte. Es fühlte sich friedvoll und vollständig an. Es war der leere, aber kraftvolle Raum, nachdem Materie und Anti-Materie miteinander kollidierten. Männlichkeit und Weiblichkeit hatten sich gegenseitig ausgelöscht, um zu einer Einheit zu werden. Wofür auch immer ich gekommen war, um es zu tun, wurde getan. Es war erst 05.30 Uhr morgens, und mir war kalt, richtig kalt.

Mit einer halben Meile steiniger Insel, die uns voneinander trennte, an einem kalten und bedeckten Morgen, haben Mallku und ich uns geliebt. Wir haben es nicht für uns selbst getan. Wir tauschten die Wärme der Umarmung von Liebenden, die Ekstase sich vermischender Leidenschaft aus, für zwei einzelne Vorgänge spiritueller Transzendenz in ein paar zusammengefallenen Tempeln der Vor-Inka Zeit. Wir haben es für die Welt getan, einfach weil es an uns war, es zu tun.


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Wir haben es getan!

In der Ferne entdeckte ich Mallku, wie er vom Tempel des Vaters von der Bergspitze herunterging. Rennend, um aufzuholen, rief ich ihm zu: „Bruder.“ Er hielt an. Ich strahlte ihn an und hob meine Hände mit der Handfläche nach außen, um ihm Erfolg zu signalisieren: „Wir haben es getan!“ Sein Grinsen erhellte die graue Morgendämmerung. Wir umarmten uns und steuerten talwärts für ein anständiges Frühstück mit Brot und Butter gemeinsam mit unserer Insel-Familie.

Die Prophezeiung über den Adler und den Kondor wurde über die Jahrtausende um die Lagerfeuer quer durch ganz Amerika weitergereicht. Heilige Zeremonien, die die Menschen und die Prinzipien von Nord- und Südamerika vereinigten, wurden in Mexiko, Zentralamerika, im Amazonas und in den Anden ausgeführt. Jedes mal, wenn die Tänze getanzt und die Gebete gesungen wurden, sind unsere kollektiven menschlichen Herzen näher zu dem Traum von Frieden für uns und für Mutter Erde angehoben worden. An diesem Dezembertag hatte ich die Macht der weiblichen Kraft des Planeten eingefordert. Mit diesem sengenden, göttlichen Fluss, der durch mich hindurch raste, wurde ich zum Adler. Mallku stand als Vertretung für die universelle männliche Kraft, die er in seinem Namen trägt – der Kondor oder Mallku. Nur wir zwei, ohne Fanfaren, zwei gleichwertige Meister aus verschiedenen Welten führten ein Ritual auf in einer Weise, wie wir es nie planen konnten und es wahrscheinlich niemals verstehen werden. Wir haben unseren Teil dazu beigetragen, den Norden und Süden zu vereinen, das Männliche und das Weibliche, den Adler und den Kondor.



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Insel Amantani

Was in einer halben Stunde auf der Insel Amantani passiert ist, hat mir unzählige Geschenke eingebracht. Es war eine Hauptaktivierung, die den männlichen und weiblichen Anteil in mir gestärkt und vollkommen balanciert hat. Anstatt in einem starren Widerspruch zueinander gehalten zu werden, tanzen, fließen und vermischen sich die Energien untereinander. Das Resultat daraus ist die Vereinigung von Gegensätzen, die meinen Geist über die Polarität hinaus angehoben haben. Ich nehme jetzt einen innersten Kern aus Licht wahr, der mir ein nahezu fortwährendes Gefühl von ,unbegründetem Wohlbefinden‘ gibt.

Ich glaube daran, dass die gesamte Menschheit in den höheren Dimensionen miteinander verbunden ist. Jeglicher Durchbruch, der einem von uns widerfährt, wird durch das morphogenetische Feld zu allen anderen weitergetragen. Die Schwingungsvorlage der geheilten Polarität, die ich jetzt in meinem Körper trage, agiert wie eine Art Stimmgabel, um die Energien von anderen Menschen durch das Prinzip der Resonanz in eine vereinte Harmonie zu bringen.

übersetzt von Birgit Junker

Auszug aus: Adler & Condor, Jonette Crowley, 310 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, Elraanis Verlag 2009


 
Quellen und Verweise:
Das Buch im Elraanis Shop
Jonette Crowley zu Besuch in Deutschland
 
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