Sie haben einen Beitrag zu    Wirtschaft  ausgewählt:
 
Autor: Prof. Dr.phil. Dr.rer.pol. Wolfgang Berger
erschienen: 07.10.2005
Herausgeber: Elraanis
Kontakt zum Autor: 
 

Geld regiert die Welt – Warum eigentlich?

Inhalt

1. Zusammenfassung und Einleitung
2. Der Taler muss wandern, der Rubel muss rollen
3. Überzeugungen sind schwerer zu zertrümmern als ein Atom
4. Geld kann nicht arbeiten und sich auch nicht vermehren
5. In den Folterkammern des Geldes geht es unerbittlich zu
6. Die Gnade des Pharao
7. Regierungschefs kommen und gehen, die Pharaonen bleiben
8. Das „System” ist ungerecht, gewalttätig und zerstörerisch
9. Was kostet die Welt?
10. Eroberungen sind gut, Zerstörung ist besser
11. Keine Weltmacht währt ewig
12. Statisches Geld widerspricht den Gesetzen der Schöpfung
13. Alle Religionen verbieten den Zins
14. Zweierlei Maß im Vatikan
15. Die ökonomische Weisheit der Religionen straft Wirtschaftsweise Lügen
16. Die schwere Bestrafung langfristigen Denkens
17. Endlagerkosten für hunderttausend Jahre
18. Tausendjähriger Wohlstand mit fließendem Geld
19. Fließendes Geld („Freigeld”) an der Wiege des Abendlandes
20. Fließendes Geld („Freigeld”) macht aus armen Fischerdörfern reiche Hansestädte
21. Fließendes Geld („Freigeld”) bringt Rettung in der Weltwirtschaftskrise
22. Fließendes Geld („Freigeld”) kann auch heute eine „Fairconomy” errichten


Zusammenfassung und Einleitung

Die globalen Finanzmärkte führen auch in den reichen Ländern zu Entwicklungen, gegen die sich die Menschen in den armen Regionen der Welt seit langem wehren:
1. Eine zunehmende Zahl von Menschen verarmt und verelendet, die globalisierte Wirtschaft lässt täglich 26.000 Menschen verhungern.
2. Ein weltweiter Standortwettbewerb um Investitionskapital verschafft dem Kapital Subventionen, kostenlose Infrastruktur und steuerliche Entlastung.
3. Steuern können wirksam nur auf Arbeit und auf den Konsum erhoben werden, was die Arbeitslosigkeit und die Lebenshaltungskosten erhöht.
4. Soziale Probleme, Subventionen und Steuerflucht führen zu einer Umverteilung von den ärmeren zu den reicheren Bevölkerungsschichten.
5. Die hohe Staatsverschuldung macht Regierungen handlungsunfähig und in ihren Entscheidungen abhängig von großen Konzernen und Kapitalgebern. Demokratie wird ausgehöhlt. Die finanziellen Sachzwänge sind stärker als des Volkes Wille.
6. Nur hohes Wirtschaftswachstum kann diese Probleme abmildern. Quantitatives Wachstum aber bedroht das Klima und die Umwelt – unsere Lebensgrundlagen.
7. Quantitatives Wachstum braucht Rohstoffe – der wahre Grund für die meisten Kriege.


Geld- und Finanzsystem

Diese Entwicklungen sind nicht das Ergebnis von Politik, sie ergeben sich zwangsläufig aus dem globalen Geld- und Finanzsystem:
Wer sein Erspartes langfristig, geschickt und sicher anlegt, verdoppelt den Betrag durch Zins und Zinseszins etwa alle zehn Jahre.

Bei einer größeren Anlagesumme ist die durchschnittliche langfristige Verzinsung 7 %. Aus € 100.000 werden so
nach 10 Jahren € 196.720
nach 25 Jahren € 542.740
nach 50 Jahren € 2.945.700
nach 75 Jahren € 15.987.600
nach 100 Jahren € 86.771.630

Diese € 86.771.630 setzen sich zusammen aus € 100.000 Ersparnis, € 700.000 Zinsen und € 85.971.630 Zinseszinsen.

Die Verzinsung ist notwendig, damit das Kapital als Kredit wieder zur Verfügung steht. Voraussetzung dafür ist, dass es Kreditnehmer gibt, die bereit und in der Lage sind, sich in entsprechender Höhe zu verschulden – die also für die hunderttausend Euro innerhalb von zehn Jahrzehnten ca. 86,7 Millionen Euro Zins und Zinseszins zahlen.
Schneller wachsenden Vermögen der Sparer muss eine schneller wachsende Verschuldung von Kreditnehmern gegenüber stehen. Wenn es keine Privatpersonen und keine Unternehmen gibt, die mehr Kredite aufnehmen wollen und können, bleibt als Rettung für die Kapitalmärkte nur eine stärkere Verschuldung von Staaten. Das erleben wir gerade: Die meisten Staaten können sogar ihre Zinsen nur bezahlen, wenn ihnen dafür neue Kredite gewährt werden.

Exponentielle Entwicklungen, die sich unbegrenzt beschleunigen, gibt es in der Natur und im Kosmos nur bei Explosionen, die immer einen Zusammenbruch einleiten. Auch in unserer von Menschen geschaffenen Welt müssen sie irgendwann zusammenbrechen.
Deshalb liegt die Lösung für alle oben aufgeführten Probleme (1. – 7.) in einem „fließenden Geldsystem”, das die Wirtschaft nicht durch Zins und Zinseszins antreibt, sondern durch eine monatliche Gebühr von zum Beispiel 0,75 %, die von allen Girokonten abgebucht wird. Bargeld wird mit begrenzter Laufzeit ausgegeben (was mit eingebauten Mikrochips kontrolliert wird) und bei Fälligkeit gegen Zahlung der kumulierten Gebühr gegen neues, gültiges Geld eingetauscht.

Dieses fließende Geld („Freigeld”) ist ein einfaches Tauschmittel und steht auf einer Stufe mit anderen Gütern, die veralten, verrosten, verfaulen, verfallen oder Lagerkosten verursachen.
Das Bankensystem bleibt im Wesentlichen unverändert, nur die Rahmenbedingungen ändern sich: Da Bargeld und Giralgeld „Lagerkosten” verursachen, werden diejenigen, die Kapital haben, diese Kosten vermeiden wollen und interessiert sein, es über geeignete Anlageformen zinsfrei wieder zur Verfügung zu stellen.

Die Folgen für einen Staat, der fließendes Geld („Freigeld”) einführt, sind vielfältig:
1. Die Steuern können deutlich reduziert werden: Der Staat kann sich zum Teil aus den „Geldgebühren” finanzieren. Die Erhebung dieser Gebühr ist einfacher und sicherer als Steuern.
2. Die reduzierten Steuern machen den betreffenden Staat zu einem attraktiven Standort für Investitionen in Sachkapital.
3. Die Preise sinken im Durchschnitt um 40 %: In die Preise sind jetzt weltweit durchschnittlich 40 % Zinskosten einkalkuliert. Um 40 % reduzierte Kosten steigern die Exporte und die Gewinne der Unternehmen.
4. Gefallene Preise und gesenkte Steuern verdoppeln die Kaufkraft – den Lebensstandard – jedes Einzelnen oder sie bieten ihm die Möglichkeit, weniger zu arbeiten.
5. Durch die Zinsfreiheit bieten kurzfristige, ökologisch schädliche Investitionen keine Vorteile mehr. Im Gegenteil: langfristige Investitionen – zum Beispiel in die Umwelt, Infrastruktur, Bildung, Forschung, Gesundheit – werden rentabel.
6. Die Rentabilität langfristiger Investitionen bewirkt einen Wechsel vom quantitativen zum qualitativen Wachstum, das ökologisch unschädlich ist.
7. Die vielen langfristig rentablen Investitionsprojekte schaffen Vollbeschäftigung und beenden die – unfreiwillige – Arbeitslosigkeit.
Der schnelle Erfolg des Landes, das zuerst eine „Fairconomy” mit fließendem Geld einführt, wird einen weltweiten „Dominoeffekt” auslösen. Die Pioniere einer neuen Weltordnung aber werden, wie alle erfolgreichen Pioniere, einen Vorsprung haben, den andere kaum noch einholen können.



Der Taler muss wandern, der Rubel muss rollen

Das Geld und das Rad haben viel gemeinsam. Beides sind Erfindungen, die am Anfang der ersten großen Zivilisationen standen.
Heute läuft das Rad sichtbar an Fahrzeugen und unsichtbar in Motoren, Maschinen und Apparaturen. Ein Rad erfüllt seine Funktion nur, wenn es sich dreht – nach Möglichkeit ohne Reibungsverlust. Deshalb wurden Achse und Nabe immer weiter entwickelt. Kugellager und Walzenlager wurden erfunden und immer bessere Schmiermittel eingesetzt. Die modernen Naben haben eine Dauerschmierung und müssen kaum noch gewartet werden.
Auch Geld zirkuliert unsichtbar wie das Rad in einer Maschine und erfüllt seine Funktion nur, wenn es reibungslos umläuft. Auch beim Geld sollte die „Nabe” dauergeschmiert sein.

Seit Jahrhunderten hat es immer wieder Wirtschaftskrisen gegeben. Immer war es die Geldzirkulation, die nicht funktionierte – in der „Nabe” harzte es. In den letzten Jahrzehnten sind die Probleme durch das Schmieren der „Nabe” mit immer neuen Kredit-Finanzspritzen gelöst worden. Jetzt scheinen diese Möglichkeiten erschöpft zu sein.
Die Finanzexperten und der Internationale Währungsfonds veranlassen deshalb die Politiker, ihren Völkern Einschränkungen zuzumuten. Staaten, die sich den globalen Sachzwängen nicht unterwerfen, werden mit Kapitalflucht bestraft. Die Menschheit scheint dazu verdammt, dem Finanzsystem zu dienen, sich von ihm unterjochen zu lassen.

Überzeugungen sind schwerer zu zertrümmern als ein Atom

99 % der Menschen sehen das Geldproblem nicht. Die Politiker sehen es nicht, die Banker sehen es nicht, die Finanzexperten und Ökonomen sehen es nicht. Sie alle stecken in ihren alten Denkmustern (Paradigmen) fest: Den Zins halten sehen sie als den „Mietpreis” für Geld, der sich in einer freien Wirtschaft auf den Finanzmärkten bildet. Wer eine Wohnung, ein Auto oder einen Computer mietet, muss dafür schließlich auch Miete zahlen.

Aber da gibt es einen feinen Unterschied: Eine Wohnung verfällt mit der Zeit, ein altes Auto wird reparaturanfällig, ein Computer veraltet besonders schnell. Geld aber – wenn es keine Inflation gibt – verfällt nicht, rostet nicht und veraltet nicht.
Der Bankier Maier Amschel Rothschild hat diese Besonderheit des Geldes durchschaut und den Mechanismus der exponentiellen Geldvermehrung, der daraus folgt: „Der Zinseszinseffekt”, so hat er gesagt, „ist das achte Weltwunder”.
„Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben”, schreibt Kurt Tucholsky im Jahre 1931: „und dafür gibt es mehrere Gründe. Die feinsten sind die wissenschaftlichen.” Solche Überzeugungen können üblicherweise nicht überwunden werden, indem wir beweisen, dass sie falsch sind. Solche Überzeugungen können nur überwunden werden, indem die prominenten Vertreter der alten Denkmuster aussterben.

Geld kann nicht arbeiten und sich auch nicht vermehren

Solange der Zins die „Radnabe” – die Umlaufsicherung – des Geldes ist, müssen diejenigen, die nur ihre Arbeitskraft anzubieten haben, für diejenigen, die Kapital haben, die Zinsen erarbeiten. Geld kann nicht arbeiten und sich auch nicht vermehren. Nur Menschen und Maschinen können arbeiten und nur durch deren Arbeit vermehrt sich Geld – innerhalb von zehn Jahrzehnten von € 100.000 auf ca. € 87 Millionen – wie wir gesehen haben.
Verdient wird dieses vermehrte Geld – Zinsen und Zinseszinsen – von denjenigen, die mit ihrem Kopf, ihren Händen und ihrem Körper arbeiten (Handwerker und Arbeiter), von denjenigen, die Maschinen und Investitionsgüter erfinden und entwickeln (Techniker und Ingenieure), die sie kaufen und einsetzen (Unternehmer), die sie bedienen und warten (Mitarbeiter) und die das, was damit hergestellt wird, verkaufen (Verkäufer).
Nun unterstellen wir einmal, dass der Staat mit insgesamt 20 % Verbrauchs- und Mehrwertsteuer beteiligt ist (in den meisten Ländern und bei den meisten Produkten ist es deutlich mehr). Da im Durchschnitt 40 % aller Preise aus kalkulierten Zinsen und Zinseszinsen bestehen, erhalten diejenigen, die Zinsen und Zinseszinsen erarbeiten nur etwa die Hälfte für diese Arbeit. Diejenigen, die die Zinsen bekommen, erhalten die andere Hälfte.
Somit gehören heute alle, deren Zinseinkünfte niedriger sind als ihre Arbeitseinkünfte, zu den Verlierern des Systems. Das sind die meisten. Nur diejenigen, deren Zinseinkünfte höher sind als ihre Arbeitseinkünfte, gehören zu den Gewinnern. Das sind nur wenige. Daraus ergibt sich unabhängig von allen steuerlichen Gestaltungen eine ständige Umverteilung der Vermögen und Einkommen von unten nach oben.
In den Folterkammern des Geldes geht es unerbittlich zu
Da nun aber Geld sich von selbst exponentiell – also immer schneller – vermehrt, der reale Lohn für Arbeit aber nicht, wird es bei dem durchschnittlichen Zinsanteil in unseren Preisen von 40 % nicht bleiben. Der Anteil muss steigen: innerhalb der nächsten zehn Jahre voraussichtlich auf 50 % und dann weiter und immer schneller auf 60 und 70 %. Die Vermögen derer, die diese Kredite vergeben, steigen so wie der Kurs einer Rakete, die in den Himmel steigt.

Das hat zunächst zur Folge, dass der vermehrte Wohlstand, der sich aus Wirtschaftswachstum ergibt, den Vermögenden zufließt und nicht der arbeitenden Bevölkerung, die diesen Reichtum produziert. Sobald aber die Wachstumsrate niedriger ist als der Zinssatz – und das ist in den reichen westlichen Volkswirtschaften der Fall – sind die Konsequenzen andere:
In den Folterkammern des Geldes gehen immer mehr Unternehmen in Konkurs, weil sie die Zinsen nicht mehr bezahlen können. In den Folterkammern des Geldes werden immer mehr Menschen arbeitslos, steigen die Privatinsolvenzen, nimmt die Verarmung der Mehrheit der Bevölkerung zu. Die Mehrheit der Menschen sitzt in einem U-Boot, das untergeht.
Diese Umverteilung von unten nach oben ist nicht Ergebnis von gewollter oder missratener Politik, sie ist systembedingt und zwangsläufig. Wie groß der Teil der Einkommen und Vermögen ist, der umverteilt wird, bestimmen die Finanzmärkte. Und wie das funktioniert schauen wir uns an einem historischen Beispiel an:



Die Gnade des Pharao

Der Pharao hat Josef, den Sohn Jakobs, zum Regierungschef von Ägypten ernannt. Der Prophet Moses berichtet über Josefs Regierungsgeschäfte:
„Das Land Ägypten und Kanaan verschmachteten weil es an Geld gebrach. Und Josef brachte alles Geld zusammen, das in Ägypten und Kanaan gefunden ward, um Getreide zu kaufen. Da es nun weiter an Geld gebrach im Lande kamen alle zu Josef und sprachen: Warum lässt du uns vor dir sterben, darum, dass wir ohne Geld sind? Josef sprach: Schafft euer Vieh her, so will ich euch für das Vieh Brot geben, weil ihr ohne Geld seid. Da brachten sie Josef ihr Vieh und er gab ihnen Brot für ihre Pferde, Schafe, Rinder und Esel.
Da das Jahr um war kamen sie zu ihm im zweiten Jahr und sprachen zu ihm: Nicht allein das Geld, sondern auch das Vieh ist dahin. Kaufe uns unser Land für Brot. Also verkauften die Ägypter ein jeglicher seinen Acker. Sie sprachen: Du hast uns am Leben erhalten; lass uns nur Gnade finden vor dir, unserm Herrn, so wollen wir gern dem Pharao leibeigen sein. Also machte Josef ihnen ein Gesetz bis auf diesen Tag. Und Josef starb, da er hundertzehn Jahre alt war. Und sie salbten ihn, und legten ihn in eine Lade in Ägypten.”

Regierungschefs kommen und gehen, die Pharaonen bleiben

Die meisten Bewohner der meisten Staaten der Erde würden ihre Regierungschefs heute auch salben, wenn sie ihnen nur Brot gäben. Die Mehrheit der Menschheit muss mit etwa einem Euro pro Tag auskommen. Und dafür kann sie – ganz so wie die Überlebenden im alten Ägypten – denen „dankbar” sein, die ihr Überleben finanzieren.
Für jede Million Entwicklungshilfe, fließen zwei Millionen Zinszahlungen zurück in die Industrieländer – sofern der Kreditrahmen nicht um wenigstens einen Teil dieser fälligen Zahlungen erweitert wird. Das führt zur Re-Kolonisierung der Dritten Welt – eine von den Finanzmärkten erzwungene neue Form der Leibeigenschaft. Der Präsident des heutigen Ägypten – Hosni Mubarak – schätzt, dass der Schuldendienst allein der afrikanischen Länder in einem Jahrzehnt das Leben von 500 Millionen Menschen gekostet hat, die verhungert sind.
„Der Dritte Weltkrieg hat bereits begonnen”, hat Luiz Inácio Lula da Silva – heute Präsident von Brasilien – gesagt, als er noch Arbeiterführer war: „seine schärfste Waffe ist der Zinssatz, und sie ist tödlicher als eine Atombombe.”
Das Vermögen der 587 von der Zeitschrift „Forbes” gezählten Milliardäre ist im Jahre 2003 um 36 % gestiegen. Bei dieser Rate verdoppelt es sich in wenig mehr als zwei Jahren – durch die Arbeit der vielen, die diese Vermehrung ermöglicht haben. Aber „wenn eine Gesellschaft den vielen, die arm sind, nicht helfen kann, kann sie auch die wenigen nicht retten, die reich sind”, hat John F. Kennedy gesagt und diese Sicht der Dinge nicht überlebt.

Das „System” ist ungerecht, gewalttätig und zerstörerisch

Im September 1992 spekuliert George Soros gegen das englische Pfund und die italienische Lira. Trotz des heftigen Widerstands aller europäischen Zentralbanken sprengt er das bis dahin erfolgreiche Europäische Währungssystem, das der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt und der französische Präsident Giscard d‘Estain geschaffen haben. Er erzwingt die Abwertung der englischen Währung und drückt Großbritannien und Italien aus dem Europäischen Währungssystem heraus. Das hat Soros innerhalb von wenigen Wochen viele Milliarden Dollar Gewinn eingebracht.
„Als anonymer Teilnehmer an Finanzmärkten hatte ich niemals die sozialen Folgen meines Handelns abzuwägen,” schreibt der erfolgreichste Spekulant aller Zeiten sechs Jahre später. „Der Wettbewerb im Spiel war hart und wenn ich mir zusätzliche Einschränkungen auferlegt hätte, wäre ich als Verlierer dagestanden. Ich erkannte, dass meine moralischen Vorbehalte in der realen Welt, unter den Bedingungen des Wettbewerbs, wie sie auf Finanzmärkten herrschen, keinerlei Veränderung bewirkt hätte. Wenn ich mich zurückgehalten hätte – jemand anders hätte meinen Platz eingenommen.”
Es sind nicht einzelne böse Menschen, die die Welt zerstören – es ist das System, das uns alle gefangen hält. Soros selbst hat erkannt, dass ein System in dem solche „Coups” gelingen, dem Untergang geweiht ist. Dass „fließendes Geld („Freigeld”)” die Rettung ist, ahnt er vermutlich nicht.



Was kostet die Welt?

In Emile Zolas Roman „Germinal” versteigert ein Bergwerksdirektor Arbeitsplätze. Wer den niedrigsten Lohn verlangt, wird eingestellt. Ganz ähnlich versteigerten die Prätorianergarden im antiken Rom den Kaiserthron. Julianus, einer der reichsten Römer, hatte das meiste geboten und wurde gekrönt, zwei Monate später dann aber ermordet. Das Römische Reich ist zerfallen, als Reichtum wichtiger wurde als Ruhm und Rom an den Meistbietenden versteigert wurde.
Im Jahre 1876 hat die russische Zarin Katharina II Alaska für $ 7,2 Millionen an die Vereinigten Staaten verkauft. Später aber – nach verlorenen Kriegen und inneren Unruhen – ist die Herrscherfamilie der Romanows gestürzt worden. „Was kostet Russland?”, können wir heute fragen. Die Preisfrage für Indien hat die Englisch-Ostindische Compagnie im 17. Jahrhundert beantwortet, die für China das Britische Empire mit dem Opiumkrieg im 19. Jahrhundert.
Die Frage nach dem Preis des Diamantenstaats Liberia ist vor kurzem mit Millionen von Bürgerkriegstoten beantwortet worden. Das kleine, ölreiche Äquatorialguinea ist an das meistbietende Erdölkonsortium versteigert worden. Im Kongo war es komplizierter. Das größte Land Afrikas ist reich an Gold, Uran, Kobalt, Kupfer und Coltan, das für die Chips in Mobiltelefonen, Laptops und CD-Spielern benötigt wird. Bewaffnete Rebellen – auch Kindersoldaten – hindern die kongolesische Regierung daran, diese Bodenschätze zu kontrollieren und Konzessionen zu vergeben.

Eine UN-Expertengruppe unter der Leitung des Ägypters Mahmoud Kassem hat 29 große Unternehmen identifiziert, die die Rebellengruppen im Kongo bewaffnen und die Bodenschätze illegal ausbeuten. Dieser Buschkrieg – auch als „afrikanischer Weltkrieg” bezeichnet – hat seit 1998 zwei Millionen Tote gefordert.

Eroberungen sind gut, Zerstörung ist besser

Der Preis des Irak wurde erstmals nach dem ersten Weltkrieg gestellt, wo mit Öl-Kriegs-Geschäften die heutigen Grenzen innerhalb des osmanischen Territoriums festgelegt worden sind. Im Jahre 2003 haben die Angreifer ca. $ 100 Milliarden in die Zerstörung dieses Landes investiert.
„Wer die Energiereserven der Welt beherrscht, verfügt über ein mächtiges Mittel, um die Entwicklung anderer Machtblöcke zu verhindern”, sagt Noam Chomsky, Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston. Weltmachtstatus ist nicht zum Nulltarif zu haben. Chomsky meint, die Eroberung der größten Erdölreserven des Planeten sei das Kriegsziel gewesen. Das war ein nützliches Nebenprodukt. Entscheidend war etwas anderes:
1. Mit einer angeblichen Bedrohung der Vereinigten Staaten konnte dem amerikanischen Volk ein Militärbudget in Höhe von $ 400 Milliarden Dollar abgetrotzt werden.
2. Diese Militärausgaben waren nur auf Kredit zu finanzieren, mit der Folge, dass die Schulden des amerikanischen Staates jetzt fünf Mal so schnell steigen wie sein Bruttoinlandsprodukt.
3. Die angerichteten Zerstörungen erfordern einen Wiederaufbau, der nur durch Kredite finanziert werden kann.
Das Fazit: Wenn Häuser, Brücken und Fabriken erst einmal zerstört sind, kann ein neuer Zyklus beginnen und das System der Zinswirtschaft am Leben erhalten. Bei gesättigten Märkten lässt sich das Zinseszinssystem nur durch Militärausgaben und durch in Kriegen erwirkte Zerstörungen aufrechterhalten. „Wenn die Zinswirtschaft beibehalten wird, wird es keine 25 Jahre dauern, bis wir vor einem neuen, noch furchtbareren Krieg stehen”, hat Silvio Gesell – der Entdecker fließenden Geldes in der Neuzeit – nach dem Ersten Weltkrieg geschrieben.

Keine Weltmacht währt ewig

Wenn wir heute die letzte verbliebene Weltmacht mit dem habsburgischen Spanien, mit Holland im 17. und 18. Jahrhundert und vor allem mit dem Großbritannien des 19. Jahrhunderts vergleichen, werden wir bald vor einer interessanten Frage stehen: „Was kosten die Vereinigten Staaten?”
Bisher ist jede Macht, die einmal die Welt beherrscht hat, untergegangen: das Mazedonien Alexander des Großen, das Römische Reich, das Mongolenreich Dschingis Khans, das Frankenreich Karls des Großen, das Britische Empire, die Sowjetunion. Die Geschichte dieser Untergänge ist nicht zu Ende.
Keiner dieser Untergänge – und das ist sehr erstaunlich – geht auf eine militärische Niederlage zurück. Das letzte Beispiel haben wir alle noch vor Augen: das der Sowjetunion. Auf der Blüte ihrer Macht ist sie wahrscheinlich militärisch unbesiegbar gewesen. Und warum ist sie trotzdem untergegangen? Die Sowjetunion und jede andere Weltmacht vor ihr ist an ihren eigenen inneren Widersprüchen zerbrochen.
Und so müssen wir uns jetzt fragen: Welches sind die inneren Widersprüche, an denen unser heutiges, von den Vereinigten Staaten dominiertes System zugrunde gehen wird?

Solange wir mit verzinslichem, „statischem Geld” arbeiten, stehen wir immer vor der Alternative: Entweder Krieg oder Kollaps des Systems. Wer die Macht hat, den Krieg in andere Länder zu tragen, wird diese Alternative vorziehen. Irgendwann aber kehrt in unserer polaren Welt jeder Fluch zu seinem Ausgangspunkt zurück.

Statisches Geld widerspricht den Gesetzen der Schöpfung

Drei Dinge hat Mahatma Gandhi als verwerflich angesehen:
· Wissenschaft ohne Menschlichkeit,
· Handel ohne Moral,
· Reichtum ohne Arbeit.

Die größten Forschungsetats fließen heute in die Entwicklung von Techniken, mit denen wir die Lebensgrundlagen auf diesem Planeten – und damit auch die Menschheit – zerstören. Der meiste Handel wird heute mit Produkten und Dienstleistungen betrieben, die die Menschen ausbeuten oder die Natur zerstören. Die größten Vermögen entstehen heute durch die Vermehrung des Kapitals durch Zinsen und Zinseszinsen, die von den Schuldnern erarbeitet werden – ohne eine Arbeitsleistung derer, denen die Vermögen gehören.
Das „statische” Geldsystem, bei dem Kapital sich aus sich selbst heraus exponentiell vermehrt, ist der zentrale innere Widerspruch im System: Es widerspricht den Gesetzen der Natur und des Kosmos. Die Natur ist vergänglich, Gott ist ewig. Entgegen dieser Weisheit der Schöpfung haben wir das Geld unvergänglich gemacht – es an die Stelle Gottes gesetzt. Wir beten es an und machen es zum Maß aller Dinge:
„Da ging hin der Zwölf einer mit Namen Judas Iaschariot zu den Hohenpriestern und sprach: ‚Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch verraten.’ Und sie boten ihm dreißig Silberlinge. Und von dem an suchte er Gelegenheit, dass er ihn verriete.” So steht es im Matthäus-Evangelium.



Alle Religionen verbieten den Zins

Jede Religion eröffnet uns eine Perspektive über dieses Leben hinaus. Für jede Religion ist alles Irdische vergänglich – auch das Geld. Und deshalb muss Geld so sein wie andere Güter auch: Es muss verfallen wie Häuser, verfaulen wie Äpfel, verrosten wie Autos, unmodern werden wie Kleider, veralten wie Computer. Jedenfalls darf es sich nicht ohne „Lagerkosten” von selbst vermehren. Und deshalb haben alle Religionen den Zins verboten:
Das Zinsverbot im Islam ist im Koran verankert: „Und was ihr auf Zins ausleiht, um es zu vermehren mit der Arbeit der Menschen, das soll sich nicht vermehren bei Allah”, so steht es in der Sure 38. Die Sure 39 beschreibt die Vergänglichkeit aller Dinge in der Schöpfung und fordert, dass alles, auch das Geld, diesem Naturgesetz unterworfen werden muss.
„Schlecht ist, was du aus der Kraft und dem Gut anderer erschleichst, ohne dass es dir gewährt wurde”, sagt Buddha, der dem Reichtum seiner Familie entsagt hat, um Erleuchtung zu erlangen.
„Du sollst dein Geld nicht auf Zinsen ausleihen, noch deine Speise auf Wucher austun”, sagt der Prophet Moses. Oder der Prophet Hesekiel: „Leiht jemand auf Zins, der bleibt sicherlich nicht am Leben; seine Blutschuld lastet auf ihm.” Das Zinsverbot im Judentum wird innerhalb der jüdischen Gemeinden auch befolgt.
Auch das Christentum verbietet den Zins: „Und Jesus ging zum Tempel und stieß um der Geldverleiher Tische und sprach zu ihnen: ‚Es steht geschrieben: Mein Haus soll ein Bethaus heißen. Ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht.” – So der Apostel Matthäus.
Die urchristliche Tradition sieht vor, den Schuldnern nach jeweils 7 x 7 Jahren – also alle fünfzig Jahre – sämtliche Schulden zu erlassen. Der Prophet Moses schreibt sogar alle sieben Jahre ein Erlassjahr vor. Und Martin Luther hat es auf seine Art gesagt: „Der Zins ist ein in der Wolle gefärbter Dieb und Mörder”.
Die Liste der Konzile der römisch-katholischen Kirche, die den Zins als eine besonders schlimme Sünde verdammen, ist lang und eindrucksvoll: Elvira (305 – 306), Arles (314), Nizäa (325), Karthago (348), Taragona (516), Aachen (789), Paris (829), Tours (1153), Rom (1179), Lyon (1274) und Wien (1311). Dort ist sogar beschlossen worden, jeden Herrscher zu exkommunizieren, der nicht allen Wucher in seinem Herrschaftsbereich aburteilt. Und das Konzil in Rom von 1512 bis 1517 bekräftigt noch einmal: „Jegliche Zinszahlung auf Geld ist Wucher”. Die Enzyklika Vis Perventi von Papas Benedikt XIV verbietet den Zins als Quelle allen Übels und droht bei Missachtung mit Höllenstrafen. Viele Päpste haben Leute, die Zins genommen haben, mit Kirchenbann bestraft.

Zweierlei Maß im Vatikan

1985 – anlässlich der Schuldenkrise von Mexiko – haben die mexikanischen Katholiken Estelle und Mario Carota ein formelles Ersuchen an den Vatikan gerichtet und darum gebeten, die Position zum Zins darzulegen. Sie wollten die lateinamerikanischen Länder von ihrer erdrückenden Schuldenlast befreien und hatten gehofft, dass der Vatikan mit dem gleichen Nachdruck auf dem Zinsverbot besteht, wie auf seinen anderen Dogmen, zum Beispiel dem Abtreibungsverbot.
Die Kongregation für Glaubenslehre unter der Leitung von Kardinal Ratzinger hat geantwortet, dass die Lehre über den Zins nie neu formuliert worden sei und sich also nichts geändert habe, dass es aber im Vatikan heute niemanden mehr gebe, der in dieser Frage kompetent sei.

Die ökonomische Weisheit der Religionen straft Wirtschaftsweise Lügen

Die dramatischste Konsequenz der zentralen Eigenschaft statischen Geldes ist die schwere Bestrafung langfristigen Denkens:
Vor 30 Jahren habe ich die Investitionsabteilung in einem der großen deutschen Unternehmen geleitet. So wie wir Investitionsentscheidungen vorbereitet haben wird überall gerechnet:
Wir berechnen die Ausgaben, die durch eine Investition entstehen – zum Beispiel eine neue Anlage oder in eine neue Fabrik. Diese Ausgaben würden nicht anfallen, wenn wir nicht investieren würden. Natürlich nicht nur für ein Jahr, sondern für die gesamte Nutzungsdauer. Und wir berechnen die Einnahmen, die diese Investition uns bringt und die es nicht gäbe, wenn wir nicht investieren würden. Natürlich auch für die gesamte Nutzungsdauer. Und dann bilden wir für jedes Jahr die Differenz zwischen diesen von der Investition ausgelösten zusätzlichen Einnahmen und den zusätzlichen Ausgaben.
Natürlich ist es nicht das gleiche ob ich heute eine Million mehr habe oder ob ich in einem Jahr eine Million mehr habe. Das ist wie Äpfel und Birnen. Wenn wir sie vergleichen wollen, müssen wir die Million in einem späteren Jahr umrechnen auf den Wert von heute. Wir nennen das „abzinsen” – das Gegenteil von verzinsen.
Bei 12 % – dem üblichen Zinssatz für solche Entscheidungsgrundlagen –
sind € 1 Million in 10 Jahren heute € 321.973 wert,
sind € 1 Million in 25 Jahren heute € 58.823 wert,
sind € 1 Million in 50 Jahren heute € 3.460 wert,
sind € 1 Million in 75 Jahren heute € 204 wert,
sind € 1 Million in 100 Jahren heute € 12 wert.
Wenn ich heute € 321.973 mit einer Rendite von 12 % investiere, habe ich in zehn Jahren eine Million. Wenn ich heute € 12 mit einer Rendite von 12 % investiere, wird daraus in hundert Jahren auch € 1 Million.

Die schwere Bestrafung langfristigen Denkens

Was ist nun die Konsequenz für unsere Investitionsentscheidungen? Die Antwort ist einfach: Wir brauchen die Rechnung nur für gut zehn Jahre durchzuführen, weil das, was danach passiert, sich auf das Ergebnis kaum noch auswirkt.
Die Antwort ist nicht nur einfach, sie ist auch erschreckend: Was danach passiert, beeinflusst die Investitionsentscheidungen nicht mehr. Statisches Zins-Geld ist mächtiger als die Weisheit aller Religionen.
Wenn ich damals eine Investition empfohlen hätte, weil sie langfristig sinnvoll ist, hätte ich meine Karriere riskiert – und die ist mir vor 30 Jahren wichtig gewesen. Wenn ein Vorstand sich für eine Investition entscheidet, die langfristig sinnvoll ist, verliert er seine Position. Und wenn er sie nicht verliert, wird seine Gesellschaft aufgekauft, denn solche „Fehlentscheidungen” reduzieren den „Shareholder Value” – den heutigen potentiellen Kaufpreis des Unternehmens – und machen es zu einem Übernahmekandidaten.
In der Logik unseres statischen Geldes ist es deshalb rentabel, die Meere leer zu fischen, die tropischen Regenwälder abzuholzen, das Klima zu zerstören, die Rohstoffe zu verbrauchen, den Planeten als Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen zu gefährden, nicht versicherbare Risiken mit der Gentechnik einzugehen. Die Folgen betreffen zukünftige Generationen. Es rechnet sich, weil zukünftige Schäden und Folgelasten abgezinst werden und deshalb die heutigen Entscheidungen nicht beeinflussen.

Endlagerkosten für hunderttausend Jahre

Ein Beispiel für die Brutalität dieser Kurzsichtigkeit: Viele Politiker fordern noch immer, die Atomkraft auszubauen, weil Atomstrom am kostengünstigsten sei. Der Abfall dieser Form der Energieproduktion ist Plutonium. Plutonium hat eine Halbwertszeit von 24.000 Jahren. Das bedeutet: nach 24.000 Jahren ist die Hälfte der radioaktiven Substanzen verstrahlt, nach weiteren 24.000 Jahren vom Rest wieder die Hälfte und so weiter.
Dieses Teufelszeug muss also viele hunderttausend Jahre sicher gelagert werden. Sicher gegen Erdbeben. Sicher gegen tektonische Verschiebungen. Sicher gegen Krieg. Sicher gegen Überschwemmungen. Sicher gegen Terroranschläge. Sicher gegen Erpressung. Sicher gegen Korruption. Sicher gegen Schlamperei. Sicher gegen unfähige Verwaltungen. Sicher gegen das Vergessen.
Und natürlich hat sich bisher noch keine Region gefunden, die diese tickenden Zeitbomben freiwillig bei sich endlagert.
Hunderttausend Jahre – wissen Sie, was das bedeutet? Der „Ötzi”, der von einem südtiroler Gletscher freigegeben worden ist, ist gerade einmal fünftausend Jahre alt. Und erst seit achttausend Jahren gibt es überhaupt das Geld, als dessen Sklaven wir die Verbrechen an unserem Planeten und an unseren eigenen Nachkommen begehen.

Tausendjähriger Wohlstand mit fließendem Geld

Die Sumerer haben den Schekel erfunden (Israel benutzt dieses Wort heute für seine Währung). „Sche” bedeutet Weizen und „Kel” ist ein Maß für 16 Gramm – soviel wie eine Kelle fasst. Mit Münzen im Wert eines Schekels Weizen sind die schönen Priesterinnen im Tempel der Fruchtbarkeitsgöttin Astarte bezahlt worden – für den heiligen Geschlechtsverkehr. So brauchen die Männer den Weizen nicht in den Tempel bringen.
Wenn der Weizen alt ist und verdirbt, werden die Schekel auch alt und verderben. Und wenn er alle ist, sind die Schekel wertlos, denn für die nächste Ernte werden neue geprägt. Der Schekel vereinfacht den Tausch. Aufzubewahren ist er nicht besser und nicht schlechter als Weizen.
Was die sumerische Hochkultur mit diesem fließenden Geld geschaffen hat ist erstaunlich: Das babylonische Reich ist nach dem Urteil des Propheten Jesaja „das schönste und herrlichste unter den Königreichen”. Der griechische Schriftsteller Herodot hat im 5. Jahrhundert v. Chr. Babylon, seine Hauptstadt, besucht und überschwänglich beschrieben: Die Stadt hatte die Größe des heutigen Paris. Die Stadtmauern waren über hundert Meter hoch und 25 Meter breit, oben fuhren Wagen mit sechs Pferden. Mit ihren prachtvollen Tempeln, weitläufigen künstlich angelegten Kanälen und hängenden Gärten war sie für Jahrtausende – Jahrtausende! – die schönste und reichste Stadt der Welt.

Fließendes Geld („Freigeld”) an der Wiege des Abendlandes

Auch der Aufstieg Griechenlands hängt mit einer geldpolitischen Innovation zusammen: Der Staatsmann Lykurg war sparsam – spartanisch. Um zu sparen führte er Münzen aus Eisen ein. Im damals feuchten Mittelmeerklima sind die Münzen verrostet. Das Geld ist genauso veraltet wie die Dinge, die es dafür zu kaufen gab. Aus rostendem Material lässt sich kein Geldvermögen aufbauen und vererben.
Was die griechische Hochkultur mit fließendem Geld geschaffen hat, ist erstaunlich: die Baukunst des römischen Reiches, sowie die Grundlagen der modernen Philosophie, der Mathematik, der Astronomie, der Physik und – der Demokratie.

Fließendes Geld („Freigeld”) macht aus armen Fischerdörfern reiche Hansestädte

Eineinhalb Jahrtausende nach dem Zerfall des Römischen Reiches wird Europa aus dem mittelalterlichen „Winterschlaf” erweckt – auch das als Folge einer geldpolitischen Innovation:
Die Stauferkönige wissen nicht, wie sie ihren Haushalt finanzieren sollen. Im Gegensatz zu den meisten anderen deutschen Herrschern sind sie arm, aber listig. Sie führen die „Brakteaten” ein – aus dünnem Blech einseitig geprägte Münzen. Diese Münzen werden jährlich „verrufen” – für ungültig erklärt. Mit einem „Abschlag” von 20 % können sie dann gegen die neuen gültigen Münzen umgetauscht werden. Mit dem Abschlag finanzieren die Könige den Staatshaushalt.
Und weil das so einfach ist, machen die meisten europäischen Herrscher zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert es ihnen nach.
Was die mittelalterliche Hochkultur mit fließendem Geld geschaffen hat, ist erstaunlich:
· Die vielen wunderschönen mittelalterlichen Städte werden gegründet und ausgebaut – im deutschen Sprachraum, in Italien, in Frankreich und Holland.
· Fast alle großen Dome und Kathedralen Europas werden in dieser Zeit erbaut.
· Die Hanse verwandelt ärmliche Fischerhäfen rund um die Ostsee in Oasen blühenden Reichtums – die Hansestädte.
· Die Fünftagewoche wird fast überall eingeführt – ganz ohne Gewerkschaften: außer dem Sonntag ist der „blaue Montag” arbeitsfrei. Teilweise gibt es sogar eine 4-Tage-Woche.
· Der Historiker Egon Friedell beschreibt die üppigen Festgelage des einfachen Volkes mit Gauklern und Geschichtenerzählern, Musikanten und Troubadouren – da läuft jedem von uns das Wasser im Munde zusammen. Es ist eine Zeit, die überquillt vor triefendem Hochgenuss.

Fließendes Geld („Freigeld”) bringt Rettung in der Weltwirtschaftskrise

Die große Wirtschaftskrise, die 1929 beginnt, wird durch einen geldpolitischen Fehler der amerikanischen Notenbank ausgelöst. Die Arbeitslosigkeit grassiert wie die Pest und es gibt nichts mehr zu kaufen.
In Wörgl, Tirol, und Umgebung sind 1.500 Menschen arbeitslos und 200 Familien absolut mittellos. Wörgl hat damals 4.300 Einwohner. Bürgermeister Michael Unterguggenberger fragt sich, warum Leute, die arbeiten wollen und können das nicht tun sollen, nur weil kein Geld da ist, um sie zu bezahlen. In einem Buch von Silvio Gesell hat er gelesen, was er tun kann:
Er gibt „Arbeitswertscheine” aus, die auf den gleichen Betrag in Schilling lauten. Deshalb werden sie von den Wörglern als gleichwertig anerkannt. Die Scheine müssen an jedem Monatsende mit einer Wertmarke als Nutzungsgebühr beklebt werden. Mit den ersten Scheinen, die er ausgibt, bezahlt er die Arbeiter, die die Kanalisation bauen. Um die Nutzungsgebühr zu sparen, geben sie die Scheine schnell beim Bäcker aus und kaufen Brot. Der Bäcker will die Gebühr auch nicht zahlen und gibt sie schnell dem Tischler, der seine Fenster erneuert. Der bringt sie zum Metzger für Wurst und der zum Schmied für ein neues Hoftor. Vor lauter Sparsamkeit zahlen die Bürger die Gemeindesteuer im Voraus. Damit lässt der Bürgermeister die Straße pflastern. Das löst einen neuen Kreislauf aus.
Wörgl hat Vollbeschäftigung und bekommt eine ordentliche Infrastruktur. Das Experiment ist so erfolgreich, dass es Nachahmer in anderen Gemeinden findet. Der französische Ministerpräsident Édouard Daladier besucht den Ort persönlich.
Die Finanzexperten allerdings erklären das Experiment für groben Unfug. Die österreichische Zentralbank setzt bei der Regierung durch, dass es verboten wird. Der Bürgermeister geht vor Gericht. Vor dem Verwaltungsgerichtshof in Wien verliert er und wird entlassen. Die Scheine sind bis dahin im Durchschnitt insgesamt 416mal zirkuliert und haben Werte erzeugt, die heute € 4.600.000 entsprechen.
Nach dem Verbot kehrt Wörgl zur Landeswährung zurück, zu hoher Arbeitslosigkeit und zu schrecklichem sozialen Elend.

Fließendes Geld („Freigeld”) kann auch heute eine „Fairconomy” errichten

Die Lehre aus all diesen Beispielen ist einfach: Geld schafft Arbeitsplätze, sobald es fließend ist und keine Zinsen abwerfen muss. Warum? Erstens weil dann plötzlich auch die langfristigsten Investitionen rentabel werden und verwirklicht werden. Und zweitens weil dann sogar Investitionen durchgeführt werden, die bis dahin unter den Tisch gefallen sind, weil ihre Rentabilität zu niedrig ist.
Es fehlt doch nirgendwo an Arbeit – am wenigsten dort, wo die Not am größten ist. Es fehlt immer nur am Geld, sie zu bezahlen. Statisches Geld, das Zinsen frisst, kann nur für kurzfristig vorteilhafte Dinge ausgegeben werden und nur für Investitionen, die kurzfristig einen sehr hohen Vorteil haben. Das aber sind nicht viele.
Eine Bewegung, die diesen Konstruktionsfehler des Kapitalismus erkennt und behebt, wird zu der Bewegung für breiten Wohlstand, Vollbeschäftigung und Frieden – weltweit, und damit zu der Bewegung, die unseren Planeten als Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen erhält und seine Zukunft gestaltet. Einer Wirtschaft mit fließendem Geld müssen die Menschen sich nicht länger unterwerfen. Eine solche Wirtschaft verwandelt sich aus sich selbst heraus zu einer „Fairconomy”, die dem Leben dient – und damit auch den Menschen.
Wo kämen wir hin, wenn jeder fragte: „Wo kämen wir hin?”? Wo kämen wir hin, wenn keiner ginge, um zu schauen wohin wir kämen, wenn wir gingen?
Statisches Geld belässt uns im Zustand einer gefräßigen Raupe, die ihren Lebensraum sinnlos zerstört. Fließendes Geld („Freigeld”) verwandelt uns in einen Schmetterling, der voller Freude lebt und das Blumenmeer nicht zerstört, sondern befruchtet. Die Verwandlung in den Schmetterling ist der einzige Sinn der Existenz der Raupe gewesen. So wird unser wunderschöner kleiner Planet wieder zu dem Paradies, als das Gott ihn erschaffen hat.
Was in unserem Bewusstsein nicht als Möglichkeit vorhanden ist, kann nicht geschehen. Die Erde wird den Himmel spiegeln oder die Hölle. Es ist unsere Entscheidung.
Autor: Prof. Dr.phil. Dr.rer.pol. Wolfgang Berger


Dieser Text wurde ins Netz gebracht von: Subhash http://www.subhash.at
Texte, Links und Bücher zu „Freigeld” und „Regionalwährung”: http://freigeld.subhash.at

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors, © 2005 Business Reframing Institut Karlsruhe




 
Quellen und Verweise:
http://www.business-reframing.de
 
Seitenanfang Übersicht     E-Mail versenden Druckansicht
 
 
Copyright © 2002 Elraanis Verlag, Alle Rechte vorbehalten