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Ernährung
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| Autor: Cäcilia Cartellieri |
| erschienen: 01.05.2000 |
| Herausgeber: Elraanis Verlag | | | Das Antlitz der Stimme |
 Ehe es wächst, lasse ich euch es erlauschen. Jesaja/Nelly SachsDiese Stelle bei Jesaja am Anfang eines Gedichtes von Nelly Sachs verweist auf einen tiefen Zusammenhang, dass etwas, das neu hervortritt aufs Innigste mit Klang verbunden ist.
Schaut man in das vergangene Jahrhundert, findet man Philosophen, Poeten, Musiker und geistige Wegbereiter, die ganz unabhängig voneinander und aus völlig verschiedenen Gesichtspunkten den Bewusstseinswandel und Übertritt in ein ganz neues Zeitalter als Herausbildung eines neuen Tons oder Tonwandel bezeichnet haben. Damit ist nicht immer der hörbare Klang gemeint. Mitunter ist es Metapher. Ähnlich dem uralten “Gott sprach“. Und wenn man bedenkt, dass es in der Genesis noch einen zweiten Schöpfungsbericht gibt, dann kann man vielleicht ahnen, dass es sich hier um ein Geschehen von solcher Tragweite handelt, welches mit einem zweiten Schöpfungsakt vergleichbar ist. Beginnt der erste Schöpfungsbericht mit “es werde Licht“ und endet mit dem Menschen, hat der zweite Wassercharakter und endet mit Mann und Frau, der Geburt der Beziehung. Der Liebe. Er macht für mich deutlich, dass das Sich- einander- zu- wenden wirklich einem neuen Schöpfungsschritt gleichkommt, und dass sie als Schöpfung wirklich an die Urtiefen des Weltgeschehens angeschlossen ist. Nur vielleicht ein anderer Ton, eine andere Tonart. Nicht das Wort des Lichts, “er sprach und es ward“, eher eine melodische Bewegung wie das des Wassers. “Das Wasser singt“, sagt Ingeborg Bachmann.
Die alten und die neuen Zeiten verhalten sich wie Wasser und Land.
Dschuang Dsi
“Um auf dem Wasser voranzukommen, ist es am besten, ein Schiff zu benutzen; um aber auf dem Lande voranzukommen, benützt man am besten einen Wagen. Wenn einer, weil man mit einem Schiff auf dem Wasser vorankommen kann, danach streben würde, es auf dem Lande zu schieben, so würde er sein Leben lang keinen Schritt vorwärts kommen.“ So spottet Dschunag Dsi über den Versuch, in neuen Zeiten mit den Einrichtungen und Betrachtungsweisen der alten Zeiten voranzukommen.
Ähnlich kann man vielleicht bei der Betrachtung der Stimme, des menschlichen Tons, von Wasser und Land sprechen. Während die Atmung uns vom ersten bis zum letzten Atemzug begleitet, umgreift das Wasser Leben und Tod (wir taufen mit Wasser, waschen die Toten und in der Unterwelt gibt es eine Quelle). Ein Hauch dieses Unterschieds liegt auch in den Redewendungen, ob jemand “an die Luft“ oder “ins Wasser“ geht.
Von Alters her gab es die Idee, dass die Stimme hinüber reicht; deshalb hat man auch für Tote gesungen und mit ihnen gesprochen, um ihnen das Seelengeleit zu geben. Auch bei Reinkarnation spricht man davon, dass der charakteristische Ton mitgenommen wird. Offenbar gibt es also eine Dimension des Klangs, die im Ewigen zu Hause ist.
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Erst in dem Doppelbereich werden die Stimmen ewig und mild. Sonett an Orpheus
Die Bedeutung der Atmung für die Stimme liegt auf der Hand. Sie verleiht ihr Lebenskraft und Ausdehnung in den Raum. Die Frage ist, was sich eröffnet , wenn wir die Stimme im Zusammenhang des wässrigen Elements, des Fluidums, betrachten. Nicht nur, dass zu trockene Stimmlippen Schwierigkeiten bei der Tonerzeugung machen, der Kehlkopf liegt an einer entscheidenden Stelle des Flüssigkeitskreislaufs: von der großen Umstülpung – eine Umkehr des Raumes - in der Halsregion sind nämlich nicht nur das Skelett ( am Schädel äußere Umhüllung, im übrigen Körper die innen gelegene Stütze ), das Nervengewebe ( links kreuzt nach rechts, vorne nach hinten ) und das Muskelsystem betroffen, sondern auch das Blut: es wird Gehirnwasser, welches das Gehirn unter Auftrieb setzt. Während das Blut den Stoffwechsel versorgt, nimmt das Gehirnwasser, bekannt auch als Liquor, dem Gehirn das Gewicht. Die Lichtqualität, die im Inneren des Blutes verborgen ist, tritt im Gehirnwasser an die Oberfläche. “Himmelsozean“ fällt mir ein. Und genau diese Umstülpung innerhalb des Wasserkreislaufs wird durch die Schwingung der Stimme impulsiert. Genauer, hier ist eine Schaltstelle, die über die Qualität des Gehirnwassers entscheidet.
Gerade habe ich ein ganz wunderbares Buch aus Japan in die Hand bekommen. Masaru Emoto hatte die Hypothese, dass reines und unreines Wasser unterschiedlich kristallisieren würden. Also hat er gefrorene Wasserkristalle fotografiert, kurz bevor sie wieder auftauen. Dazu hat er die verschiedensten Wasserproben genommen. Und da zeigte sich nicht nur der Unterschied, ob Wasser überhaupt kristallisiert, sondern auch, dass die Kristalle ganz verschieden sind, je nachdem, mit welchen Worten oder Klängen das Wasser in Berührung gekommen war. Und wenn man dann die Kristalle anschaut, kann man fast hören, mit welchem Klang sie verbunden sind. Masaru Emoto nennt das Wasserkristall “das Gesicht des Wassers“, damit klingt das Motiv der Beziehung aus der Genesis noch einmal an.
Eine weitere Annäherung an das Kristalline des Wassers ist der Versuch von J. D. Bernal, einem Mitglied der Royal Academy in London. Er ging davon aus, dass, wenn das Wasser Kräfte hat, die zur Kristallbildung führen, man das an der Art der so entstandenen Kristalle erkennen könne. Und so kam er auf die geniale Idee, die fünf platonischen Körper mit einer Kantenlänge von jeweils nur wenigen Millimetern fertigen zulassen. In der großen Aula ließ er dann vor den Augen der versammelten Mitglieder der Royal Academy je einen Sack dieser Körper auf einer Rutsche ausschütten. Alle Körper blieben nun auf der Rutsche liegen, nur der Oktaeder nicht. Der “fließt“ die Rutsche hinab. So schließt Bernal, der Oktaeder muss etwas zu tun haben mit der Fließfähigkeit des Wassers!
(aus: Wilfried Hacheny,Wasser, ein Gast der Erde)
Der Oktaeder gilt als Merkur-Kristall, womit wir wieder bei Bezogenheit wären.
Und bei der Zahl acht. (Streng genommen bei dem Schritt von fünf zu acht)
Als musikalische Proportion entspricht die Acht der Oktave. Ein ausgewachsener Mensch besteht aus acht Kopfhöhen. In dem Werk von Armin J. Husemann “Der musikalische Bau des Menschen“ finden sich Entsprechungen zwischen Körperproportionen und musikalischen Intervallen: die Prim bei den Füßen, die Sekunde in der Öffnung zur Schrittstellung, die Terz in den Knien, die Quarte am Oberschenkel bis zu den männlichen Fortpflanzungsorganen, die Quinte im Bauchraum auf der Höhe der weiblichen Fortpflanzungsorgane, die Sexte das Herz, die Septim Hals und Kehlkopf, die Oktave der Kopf. .
Die entsprechenden Intervalle bilden sich als Teiltöne innerhalb des Stimmklangs ab. So kann ein erfahrenes Ohr hören, welche Proportionen innerlich ausgeprägt, welche verletzt oder gar nicht ausgebildet sind.
Die Oktave kann vom Grundton aufgebaut werden. Als innere Proportion ist sie Ergänzung von Quint und Quart, Oktave zur Prim, zu den Füßen, als auch frei erschwungenes Intervall. Der gleiche Ton-Vollendung und neuer Anfang.
Steiner ordnet verschiedenen Epochen der Menschheit verschiedene Stimmungen zu, Stimmungen, in denen z.B. das Quint- oder Septimempfinden besonders ausgeprägt war. Er spricht von der Wandlung des Tonerlebens heute und von der Vorbereitung des Oktavempfindens. Man könnte also sagen, die ganze Menschheit und die Erde befinden sich in einem immensen Umstimmungsprozess. Und genau darauf verweist die Metapher des neuen Tons.Dieser neue Ton kommt nicht einfach hinzu, sondern er wirkt umstimmend in das Ganze hinein und bewirkt eine vollständige Verwandlung.
Den ersten Eindruck von der tiefberührenden, erschütternden Radikalität einer Umstimmung hat mir ein Video aus der Mongolei vermittelt. Eine Kamelstute wollte ihr Junges nicht annehmen. Da kam der Dorfschamane und spielte für sie bis ihr eine Träne ins Auge trat. Da wurde sie weich und ließ das Junge heran.
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Um die Richtung der Verwandlung genauer zu sehen, noch einmal zur Acht:
Als erste Kubikzahl prägt sie dem Menschen die Sicherheit der ewigen Seligkeit ein. Taufbecken sind oft achteckig, die Taufe verheißt die Gnade des ewigen Lebens. Die acht Seligpreisungen der Bergpredigt stehen in Beziehung zur Läuterung. Von Christus heißt es, er sei am achten Tage auferstanden. Das Schamanenpferd hat acht Beine und steht in Beziehung zur Ekstase. Im Buddhismus der achtgliedrige Pfad, die acht Kostbarkeiten.
Im Islam tragen acht Engel den Gottesthron. Als Übergang vom Quadrat zum Kreis war das Achteck bedeutsam für Kuppelkonstruktionen. Der achteckige Stern ist ein Ischtar – Symbol, steht somit ebenso im Zusammenhang mit dem Wasser wie die achteckige Form, die auf das Paradies hinweist: PARDES, der Ort, wo gemäß der hebräischen Überlieferung die vier Flüsse entspringen.
Der Ritt der Ekstase, die Taufe, die Kuppel als Grundform der Kathedrale, das Tragen des Gottesthrons, die aus dem Himmel kommenden Wasser, der Stern – immer geht es um die Verbindung zum Himmel.
In unserem musikalischen Tonsystem ist es die Wiederkehr des Grundtons.
Im Menschen ist es der Kopf, der Scheitel, das Gesicht. Der Mensch, der sich aufrichtet, mit dem Scheitel den Himmel berührt und den anderen Menschen SIEHT.
Im Hebräischen heißt es so schön, “der Himmel ist nicht weit, nur gegenüber.“
Und eine alte Geschichte erzählt, die Nacht sei zu Ende und der Tag bräche an, wenn wir im Gesicht eines Menschen den Bruder oder die Schwester erkennen. Vielleicht können wir auch vom neuen Ton des erkannten Menschen sprechen.
Jean Gebser spürt in seinem Werk verschiedentlich den Klängen von Worten nach und prüft, inwieweit eine Klangverwandtschaft auch auf tiefere Verwandtschaft weist. So kommt er auf den Zusammenhang von wach und acht im Unterschied zur Nacht. Beides hat die Nacht überstanden.
Vielleicht kann man hier von Erwachen in einem viel weiteren Sinne sprechen.
Zur Zeit Leonardo da Vincis wurde die Perspektive als achte freie Kunst zu den sieben alten gesellt. Diese symbolische Überschreitung der Siebenzahl ist nach Gebser ein Indiz für die Durchbrechung des unperspektivischen Höhlenhimmels. Mit der achten Kunst “bricht eine Welt zusammen, durch sie wird der alte siebenplanetarische Himmel zerrissen: das Nein, das in dem Nachthimmel des unperspektivischen Höhlenraums enthalten ist, verwandelt sich zur Klarheit und Tageshelligkeit der Acht, die das negierende N nicht besitzt: jener heptagonische Kosmos der Antike und ihrer Mysterienreligionen ist überwunden.“ (in: “Einbruch der Zeit“)
Hier kommen wir auf einen spannenden Zusammenhang. So wie das saturnisch umschlossene Weltbild durch die transsaturnischen Planeten gesprengt und mit einer neuen Innigkeit durchdrungen wird, so sprengt die neue Musik ihren geschlossenen Oktavraum und durchdringt den einzelnen Ton mit dem Reichtum einer melodischen Empfindung. So unterscheiden sich die tonale und die atonale Musik darin, ob die Oktave bindet oder entbindet. Der Klangraum der Oktave findet seine Erfüllung im Dreiklang. Die offene Oktave ist das Sprungbrett in den offenen Raum, der erste Ton der Melodie.
In seinem Essay “Urgeräusch“ greift Rilke auf poetisch visionäre Art auf, dass an dieser Scheitellinie das Melodiöse entspringt. Der Klang der Kronen-Naht.
Während er einen Schädel betrachtet, weiß er plötzlich, woran diese feine Linie ihn erinnert: an eine der unvergessenen Spuren, wie sie die Borstenspitzen in die Wachsrolle eingeritzt haben in den allerersten Schulversuchen zum Phonographen.
Und da kommt ihm der visionäre Einfall, wie, wenn man diesen Stift täuschte, und ihn über die Kronen-Naht des Schädels lenkte, diese mit dem Stift eines Phonographen nachzeichneten: “Ein Ton müßte entstehen, eine Ton-Folge, eine Musik…“
Die innerste Musik eines Menschen. Seine geistige Signatur. Und sie entspringt an der Nahtstelle, wo die beiden Hemisphären zusammenkommen.
Die Frucht der Vermählung ist Gesang.
Friedrich Hölderlin
In der indischen Tradition heißt das vierte Chakra Anahata, das bedeutet “nicht geschlagen“ und bezieht sich auf den Ton, der ohne Zusammenschlagen zweier Dinge zustande kommt. Und es meint das OM, den Klang der Energie des Universums. Ein Klang, der etwas mit innerster Berührung zu tun hat, und der nun zunehmend individualisiert wird.
Und vielleicht gibt es so auch einen planetarischen Ton, auf den wir alle gestimmt sind, und der sich uns eröffnet, wenn die Hemisphären der Erde zusammenkommen und das Herz der Erde eröffnen.
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Noch einmal zum Wasser. Es gibt zwei ganz verschiedene Wasser. Um das besser zu verstehen, vielleicht eine ein Rückgriff auf das I Ging. Dort gibt es nämlich zwei Zeichen für Wasser, das Abgründige kan und das Heitere dui. Während das Abgründige auch das Ohr ist, ist das Heitere auch der Mund. Der Unterschied zwischen beiden Zeichen besteht nur im untersten Strich, während das Abgründige eine sinkende Tendenz hat, ist das Heitere steigend. Vgl. SINKEN – SINGEN. Das Abgründige weist zugleich den Weg aus der Gefahr, indem es alle Abgründe nach und nach ausfüllt und so überwindet. Das Heitere ist der See, in dem sich der Himmel spiegelt. Wird das Abgründige vom Mond regiert, öffnet sich der See dem Ewigen, den Sternen.
Einen Anklang davon findet man auch in anderen Überlieferungen: der siebzehnte Buchstabe im hebräischen Alphabet ist das Phe, welches Mund bedeutet, und die siebzehnte Karte im Tarot ist der Stern. Im Ägyptischen gab es das Mundöffnungsritual: nach dem Tode wurde dem Pharao rituell der Mund geöffnet, auf dass seine Seele in den Himmel fliege und sich auf ewig seinen Platz im Sternbild des Orion einnehme. Wollen wir des weiteren versuchen, uns der Sternensphäre des Klanges anzunähern.
Ganz wunderbar ist das in dem Märchen „Der Trommler“ gestaltet. Da sitzt die Liebste nachts vor der Tür und der Trommler, betäubt (taub!) vom Schlaftrunk, den ihm die eifersüchtige falsche Braut verabreicht hat, hört ihre Stimme nicht. In der ersten Nacht kommt sie in einem Kleid so glänzend wie die Sonne. Sie gibt es der falschen Braut für die Erlaubnis, vor der Tür zu wachen. Sie ruft ihn, aber er schläft und hört sie nicht.
In der zweiten Nacht kommt sie im Kleid so silbern wie der Mond. Wieder wacht sie vor der Tür. Wieder schläft er, aber nicht ganz so fest, so dass ihn eine Ahnung erreicht. Deshalb trinkt er in der dritten Nacht den Trank nicht. Und als sie im Kleid so flimmernd wie die Sterne kommt, hört er ihre Stimme Da sie jeweils das Kleid der falschen Braut geben muss, verweist dies auf ihre Einweihung in die jeweilige Dimension.
Das Motiv des Tiefschlafs finden wir auch in der Genesis - ebenso bei Ariadne, Faust, in der Odyssee und bei der Erweckung des Lazarus. Überall handelt es sich um tiefe Einweihungsgeschehen.
Vor genau einem Jahr war die große Sonnenfinsternis. In der Verdunkelung klingt wiederum das auf die Intensität eines Moments verdichtete Motiv des Tiefschlafs an. Es war, als würde eine neue Saite angeschlagen. Und danach erwacht der neue Ton. Wirklich hörbar. Wie von selbst erklang er in Gruppen initiatischen Singens. Auf einmal war er da. Als ob etwas, das sonst nur der äußersten Hinausrückung des Bewusstseins zugänglich war im Innersten aufging - ein unmittelbarer Niederschlag eines kosmischen Ereignisses in der Stimme bzw. im Gesang.
Damals erschien mir diese Synchronisation von Sonne und Mond wie ein neuer Atemzug, aus dem der neue Ton geboren wird. Nicht mehr als der Vorausgehörte, sondern als der jetzt verwandelnd Wirkende.
Danach hatte ich das Empfinden als wären alle geistigen Bemühungen des vorangegangenen Jahrhunderts erfüllt. Alles, was vorher als Ziel formuliert war, war jetzt DA. Im Innern da. Sei es das Initiatische bei Dürckheim, der neue Ton und das Integrale bei Gebser, die Noosphäre bei Vernadsky und Teilhard, das neue Zeitalter des New Age, das Supramentale von Aurobindo und, und und…
Als ob das, was als Ziel formuliert, so verschieden klingt, im Eintreffen in Eins zusammenfällt.
Die Essenz der ganzen Vorüberlegungen, Ahnungen, poetischen Visionen, musikalischen Tastversuchen ist nach diesem kosmischen Schlaf plötzlich in einem Klang zusammengefallen.
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So entsteht ein Klang von neuer Intensität, der den verdichteten Raum überschreitet und an der Grenze des vertrauten Planetenraums zur offenen galaktischen Welt liegt. Ein transsaturnischer Klang. Eine Sternensphäre der Stimme. Als gebe es da einen planetarischen Ton, einen Ton, der keine Wand zwischen Innen und Außen hat, eine Sprache der Unmittelbarkeit, zugleich Erkenntnis und seelischer Glanz. Das Entscheidende scheint mir, dass diese neue Wahrheit im Wagnis des persönlichen Klangs gefunden wird und nicht im gehüteten musikalischen Wissen.
„ …weil es ja prophetisch hinübergehen muss in eine ganz neue Zeit“. Rudolf Steiner
Jean Gebser spricht von einem neuen Vermögen, einem Zuwachs an innerster menschlicher Kraft, der dem Zuwachs an elementarer materieller Kraft zu begegnen vermag.
Ich erlebe die Stimme als genau diese innerste menschliche Kraft und das neue Vermögen in der Ausbildung ihrer verwandelnden Kraft. Die Stimme als prophetische Instanz im Menschen. Mehr und mehr erlebe ich die Melodie und den melodischen Gesang wie ein Boot, das in einen prophetischen Übergang hinüberträgt.
An dieser Stelle möchte ich auf einen weiteren Aspekt der Genesis zu sprechen kommen. Da heißt es nämlich: “Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen“. Schöner kann man diese Schöpfungsoktave kaum beschreiben. Vater und Mutter bleiben wie Quinte und Quarte im Innern zurück, es ist der Mensch gezeigt, der weitergeht, der in die Zukunft gerichtet ist.
Man mag hier an die Arbeit von Bert Hellinger denken, wenn er sagt, das Kind ist seine Eltern. Diese vollständige Übereinstimmung, wie die Oktave mit der Prim, gibt zugleich die Freiheit. Das vollkommene JA zur Erde schenkt die Berührung mit dem Himmel.
Kehren wir jetzt noch einmal zu den Fotos der Wasserkristalle zurück: außer Sechsecken gibt es nur ein einziges Siebeneck - aufgenommen nach einem Gebet an die sieben Benzaiten (Glücksgöttinnen). Könnte es sein, dass in der Acht das Geheimnis des ewigen Fließens enthalten ist - wie es ja die liegende Acht als Unendlichkeitszeichen nahelegt?
Und dass sich im Menschen die Acht ausbildet und damit die Fähigkeit entsteht, die wirklich zu heilen und zu verwandeln vermag. Die “anzuheben vermag“ ohne zurückzufallen. Eine unmittelbare Fähigkeit zur Wiederheiligung der Erde. Eine Ausbildung der Oktaeder-Stimme. Des diamantenen Klangs, der in seiner vollendeten Form seines Kerns die Ordnung des Universums widerspiegelt und neu impulsiert.
Yehudi Menuhin spricht in einer kürzlich veröffentlichten Zukunftsvision davon, dass das Singen ein noch schlummerndes Potential in sich birgt, “wirklich eine Universalsprache aller Menschen werden zu können“. Und am Ende heißt es: “Es würde mich beglücken, wenn ich einen solchen Gesang der Welt, so, wie ich ihn in meinem Inneren schon höre, noch erleben könnte.“ Dies schrieb er kurz vor seinem Tod.
Hier wird deutlich, dass Singen nicht in erster Linie das äußerlich hörbare Singen meint. Eher eine kristalline Empfindung im Inneren. Wie ein Diamant. So empfinde ich z. B., wenn ich Salz anschaue, dass es SINGT. Und es bringt dieses Singen in den Raum. Erfüllt den Raum mit einer singenden Qualität.
Damit das Gehirnwasser für diese feinsten Anregungen empfänglich wird, braucht es eine eben solche Verfeinerung der Säfte, wie Goethe in “Die Metamorphose der Pflanzen“ heraus arbeitet: “Wir haben gesehen, dass der Kelch (vgl. Kehle) durch verfeinerte Säfte, welche nach und nach in der Pflanze sich erzeugen, hervorgebracht werde, und so ist er nun wieder zum Organe einer künftigen Verfeinerung bestimmt … Denn wie höchst zart und zur feinsten Filtration geschickt müssen Gefäße werden, welche… in dem höchsten Grade zusammengezogen und aneinander gedrängt sind!“
Für die Blüte braucht es dann einen noch höheren Grad der Reinheit –vergleichbar einem wirklichen Blühen des Geistes.
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Und der Wind ELOHIMS weht über dem Wasser.
“Als dieser Wind wehte, schied er aus jenem Niedrigen ein feineres Element aus, wie der Schaum aus einem schmutzigen Metall, wenn es einige Male ausgeschmolzen und geläutert wird, bis ein von Schmutz ganz gereinigtes Element übrig bleibt…dann … Der Wind wurde geläutert, und da war in seinem Geheimnis die `leise, zarte Stimme´ enthalten.“
Sohar
Auch hier ein Mythos. Auf dem Hintergrund, dass Wasser häufig als das weibliche Element betrachtet wird, und wir hier sehen, dass es um die innere Öffnung, das Gesicht dieses Elementes gehen könnte, wie Masaru Emoto so schön sagt, (vgl. der Schritt von der Fünf zur Acht des Oktaeders und den der Quinte des Fruchtwassers zur Oktave des Gehirnwassers) den wohl bedeutsamsten Mythos über die seelische Öffnung des Weiblichen: Amor und Psyche. Am Beginn steht das vertraute Motiv des Tierbräutigams. Amor verbringt die Nächte mit Psyche unter der Bedingung, dass sie ihn nicht anschaut, und am Morgen macht er sich dann auf und streift durch die Wälder. Natürlich geht das nicht lange gut. Psyche wäre nicht Psyche, wollte sie nicht das Gesicht ihres nächtlichen Bräutigams sehen. So macht sie also Licht. Und prompt verschwindet Amor, wohlgemerkt zu seiner Mutter, Aphrodite, die im folgenden natürlich die Hauptgegenspielerin Psyches ist.
Im Laufe der Prüfungen, die Aphrodite der Psyche auferlegt, spürt man die Schönheit des erkennenden Lichts, das allmählich in die Beziehung tritt. Das ist die seelische Eröffnung des Raums, die den Raum singen lässt.
Es ist vergleichbar dem Glanz, der im Ton hervortritt, wenn die Luftschicht, die ihn umhüllt, transparenter wird. Einige Forscher haben von der Herausbildung einer Noosphäre gesprochen, einer geistigen Sphäre, die die Biosphärische, die aus den Stoffwechselprozessen gebildete Lebenshülle der Erde, durchdringt und für das Kosmische durchlässiger macht. Im Persönlichen entspricht dem der charakteristische Ton, der uns durch alle Inkarnationen begleitet, und der als ewiger Ton unseren, in diesem Leben bedingten Stimmklang, durchdringt.
Wie ein Schwan durch die Wogen
So ziehet eure ewige Melodie
Einen silbernen Streif
Durch die Vergänglichkeiten
Nelly Sachs, An die Liebenden
“Des Menschen Seele gleicht dem Wasser“, sagt Goethe “vom Himmel kommt es, zum Himmel steigt es.“ Masaru Emoto äußert die Vermutung, das Wasser käme als Regen aus dem All, und könne so der Ursprung des Lebens gewesen sein. “Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden“, bevor er Mann und Frau schuf. So kommen wir, wenn wir die Stimme im Kontext des Wassers betrachten, auf ihren göttlichen Ursprung und ihre Heimat im Ewigen.
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